07 January 2026, 23:07

A39-Ausbau: Warum die neuen Nutzen-Kosten-Rechnungen für Streit sorgen

Eine belebte Straße mit verschiedenen Fahrzeugen, gesäumt von Gras, einem Zaun, Strommasten mit Drähten, Bäumen, Bänken und Gebäuden mit Fenstern unter einem hellblauen Himmel.

A39-Ausbau: Warum die neuen Nutzen-Kosten-Rechnungen für Streit sorgen

Die geplante Verlängerung der Autobahn A39 hat eine neue Debatte ausgelöst, nachdem sich ihr Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) in der jüngsten Bewertung von einem negativen Wert auf 5,2 verbessert hat. Das 1,6 Milliarden Euro teure Projekt, das Wolfsburg mit dem Hamburger Hafen verbinden soll, steht seit Langem wegen widersprüchlicher Berechnungen und ökologischer Bedenken in der Kritik. Nun stellen Skeptiker die Transparenz der Zahlen des Verkehrsministeriums infrage.

Die Trasse der A39-Verlängerung würde durch das Wendland und die Altmark führen und dabei Städte wie Wittingen, Bad Bodenteich, Uelzen und Bad Bevensen passieren. Befürworter argumentieren, dass sie eine Hochgeschwindigkeitsverbindung für die Logistik von Volkswagen schaffen würde, die Wolfsburg direkt mit dem Hamburger Hafen verbindet.

Allein in diesem Jahr erhielt das Projekt drei verschiedene NKV-Werte, wobei der jüngste sprunghaft auf 5,2 stieg. Die grüne Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden (Wahlkreis Lüneburg–Lüchow-Dannenberg) hatte aktuelle Zahlen angefordert, doch das Ministerium hielt die Daten zurück. Als Begründung nannten Beamte anstehende Aktualisierungen für andere Projekte, weshalb die Berechnungen nicht offengelegt würden.

Mit der geplanten dreimilliardenschweren Erweiterung des Rheinmetall-Standorts in Unterlüß – darunter eine neue Munitionsfertigung und Aufträge für gepanzerte Fahrzeuge – wird auch der verbesserte NKV-Wert in Verbindung gebracht. Doch Richard Hartl, Hauptautor einer vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegebenen Studie, zeigte sich verwirrt: Mit denselben Daten errechnete sein Team ein NKV von 0,9, während das Ministerium auf 5,1 kam.

Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace lehnen das Vorhaben ab und warnen, es werde Wälder zerschneiden, die Lebensraum für Wildkatzen und Wölfe sind. Der Koalitionsausschuss der Bundesregierung hat zwar grundsätzlich die Finanzierung für "baufertige" Autobahnen – darunter die A39 – bewilligt.

Doch die Zukunft der A39 bleibt ungewiss, solange die Auseinandersetzungen über ihre wirtschaftlichen und ökologischen Folgen anhalten. Angesichts widersprüchlicher NKV-Werte und vorenthaltener Daten gerät das Verkehrsministerium zunehmend unter Druck, seine Berechnungen offenzulegen. Die Genehmigung des Projekts hängt nun von weiteren Prüfungen und politischen Entscheidungen ab.