08 January 2026, 08:50

Autoverzicht in Niedersachsen: Warum Geldprämien und kostenlose ÖPNV-Tickets kaum überzeugen

Eine Anzeige mit einem Auto und begleitendem Text.

Autoverzicht in Niedersachsen: Warum Geldprämien und kostenlose ÖPNV-Tickets kaum überzeugen

Mehrere Städte in Niedersachsen testen Anreize für Autoverzicht – mit gemischtem Erfolg

Mehrere Kommunen in Niedersachsen haben Modellprojekte erprobt, um Autofahrer zum Verzicht auf ihr Fahrzeug zu bewegen. Die Anreize reichen von Geldprämien bis hin zu kostenlosen ÖPNV-Tickets. Doch trotz Interesse kämpfen viele Programme mit geringer Nachfrage oder Finanzierungsproblemen.

Ein solches Pilotprojekt in Göttingen bot bis zu 700 Euro für die Abmeldung oder den Verkauf eines Autos. Doch nur neun Personen beantragten die Förderung, bevor die Mittel aufgebraucht waren.

Das Göttinger Modell startete mit einem klaren Ziel: den Autoverkehr zu reduzieren, indem Fahrzeughalter für die Abmeldung ihres Wagens bezahlt werden. Die 700-Euro-Prämie konnte für ÖPNV-Tickets, Fahrräder oder Carsharing-Mitgliedschaften verwendet werden. Trotz zahlreicher Anfragen gingen jedoch nur neun Anträge ein, von denen acht bewilligt wurden. Die Stadt hat das Programm inzwischen eingestellt – seine Zukunft ist ungewiss.

Andere Regionen setzen auf unterschiedliche Ansätze. In Hannover ermöglichte das Programm "Fahrschein statt Führerschein" Rentnern ab 60 Jahren, ihren Führerschein gegen ein kostenloses Nahverkehrsticket einzutauschen. Über 8.300 Menschen machten mit, bis die Förderung 2024 gestrichen wurde. Im benachbarten Landkreis Göttingen und Umgebung gibt es seit 2019 den "Sichere-Fahrt-Schein": Senioren ab 65 Jahren erhalten ein halbes Jahr lang ein kostenloses Regionalticket, wenn sie ihren Führerschein abgeben. Bisher haben mehr als 1.200 Personen teilgenommen. Bremerhaven wiederum bietet Menschen ab 70 Jahren ein kostenloses ÖPNV-Ticket an, wenn sie auf das Autofahren verzichten. Seit 2023 haben sich über 1.500 angemeldet – inklusive Zusatzleistungen wie die Mitnahme weiterer Personen außerhalb der Stoßzeiten.

Kritiker wie der ADAC monieren, dass solche Programme mehr Bürokratie als Nutzen schaffen. Sie verweisen auf hohe Verwaltungskosten und rechtliche Hürden für die Kommunen. Viele Autofahrer empfinden den Aufwand zudem als zu groß im Verhältnis zum Angebot.

Die niedersächsischen Versuche zeigen ein uneinheitliches Bild: Während einige Bürger kostenlose ÖPNV-Tickets nutzen, stoßen Geldanreize wie in Göttingen auf wenig Resonanz. Angesichts von Finanzierungslücken und bürokratischen Hindernissen bleibt die Zukunft solcher Projekte ungewiss. Die Städte suchen weiterhin nach Wegen, die Autonutzung zu verringern – ohne die Mobilität älterer Menschen einzuschränken.