13 March 2026, 22:37

Buchhandlungspreis: Drei linke Buchhandlungen ohne Begründung ausgeschlossen

Ein offenes Buch mit dem Titel "Eine Ansprache vor einer Versammlung der Mitglieder und Freunde der Pennsylvania Anti-Slavery Society während der jährlichen Messe" auf dem Cover, das eine Seite mit schwarzem Text zeigt.

Buchhandlungspreis: Drei linke Buchhandlungen ohne Begründung ausgeschlossen

Drei linksgerichtete Buchhandlungen wurden von der Shortlist des Deutschen Buchhandlungspreises gestrichen, nachdem Kulturminister Wolfram Weimer nicht näher bezeichnete Sicherheitsbedenken geltend gemacht hatte. Die Entscheidung löste Kritik von Gewerkschaften, Politikern und Medien aus – sowohl wegen mangelnder Transparenz als auch wegen der möglichen Auswirkungen auf die kulturelle Freiheit.

Betroffen sind die Buchhandlungen Rote Straße in Göttingen und The Golden Shop, die beide mit der Gewerkschaft ver.di verbunden sind. Diese verurteilte den Schritt als Angriff auf den offenen Diskurs.

Weimer begründete den Ausschluss mit verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen – also geheimdienstlichen Informationen mit Verfassungsbezug – und behauptete, staatliche Förderung dürfe nicht an "Feinde des Staates" fließen. Konkrete Beweise wurden jedoch nicht öffentlich gemacht, sodass weder die Buchhandlungen noch die unabhängige Jury, die sie ausgewählt hatte, eine Erklärung erhielten.

Kritiker wie der SPD-Kulturminister Falko Mohrs hinterfragten die Intransparenz des Vorgehens. Große Zeitungen wie die Süddeutsche Zeitung und der Kölner Stadt-Anzeiger warfen Weimer Machtmissbrauch vor und warnten, solche Entscheidungen könnten die kritische Debatte untergraben. Andrea Wemheuer, Leiterin des ver.di-Landesbezirks, nannte den Schritt "katastrophal" und argumentierte, er schaffe ein Klima der Angst, das den kulturellen Austausch ersticke.

Ver.di stellte sich hinter die ausgeschlossenen Buchhandlungen und betonte deren Bedeutung als unverzichtbare Orte freier Meinungsäußerung. Die Gewerkschaft begrüßte zudem die breite Solidarität aus der Verlags- und Buchbranche, die sich besorgt über politische Einmischung in Kulturpreise äußerte.

Der Streit verdeutlicht die Spannungen zwischen staatlichen Sicherheitsargumenten und dem Schutz kultureller Freiheit. Da keine Details zu den Vorwürfen bekannt sind, bleiben die betroffenen Buchhandlungen in der Schwebe. Die Debatte dreht sich nun darum, ob solche Entscheidungen einen gefährlichen Präzedenzfall für willkürliche Ausschlüsse bei künftigen Auszeichnungen schaffen könnten.

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