Deutschland diskutiert Rückkehr zur Wehrpflicht wegen Rekrutierungs-Krise
Catrin KabusDeutschland diskutiert Rückkehr zur Wehrpflicht wegen Rekrutierungs-Krise
Deutschland erwägt tiefgreifende Reformen seines Wehrdienst-Systems. Eine aktuelle Freiwilligenkampagne brachte im Jahr 2026 lediglich 530 neue Rekruten hervor – bei fast 300.000 angeschriebenen jungen Männern. Dies hat Forderungen nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht laut werden lassen, um die Truppenzahlen zu steigern und die NATO-Vorgaben zu erfüllen.
Anfang 2026 hatte Deutschland im Rahmen der freiwilligen Rekrutierungskampagne knapp 300.000 18-Jährige kontaktiert. Zunächst zeigten etwa 25 Prozent Interesse, doch nach weiteren Gesprächen sank die Quote auf 12,5 Prozent. Von den 1.500 Bewerbern, die sich einer ärztlichen Untersuchung unterzogen, wurden rund 80 Prozent als diensttauglich eingestuft.
Zusätzlich bewarben sich im ersten Halbjahr 2026 etwa 10.000 Freiwillige aus anderen Altersgruppen – ein Anstieg von 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dennoch kritisierte die oppositionelle AfD die Zahlen als unzureichend und warnte, dass damit keine ausreichende militärische Reserve aufgebaut werden könne.
Roderich Kiesewetter (CDU) fordert nun die Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht. Nach dem vorgeschlagenen Modell müssten sich ab Juli 2027 alle 18-jährigen Männer einer verpflichtenden ärztlichen und körperlichen Eignungsprüfung unterziehen. Wer den militärischen Fragebogen nicht ausfüllt, dem droht ein Bußgeld von bis zu 250 Euro; bei wiederholter Verweigerung wären sogar Haftstrafen möglich. Eine vollständige Wiedereinführung der Wehrpflicht müsste zudem vom Parlament beschlossen werden.
Langfristig strebt Deutschland an, seine Streitkräfte von derzeit rund 186.000 auf etwa 260.000 Soldaten bis Mitte der 2030er-Jahre auszubauen. Diese Aufstockung soll die Fähigkeitsanforderungen der NATO erfüllen.
Bisher hat das freiwillige System jedoch nur begrenzte Erfolge gebracht. Die Pläne für verpflichtende Eignungschecks und eine mögliche Rückkehr zur Wehrpflicht zielen darauf ab, die Rekrutierung zu stärken. Eine vollständige Wiedereinführung des Pflichtwehrdienstes würde allerdings der Zustimmung des Parlaments bedürfen.
