24 December 2025, 17:15

Die Tödliche Doris: Radikale Retrospektive in Bremen entfesselt Punk, Performance und **Filme**

Eine Gruppe von Frauen in bunten Kleidern, die singen und Trommeln halten, vor einem schwarzen Vorhang und zwei blauen Rollplakaten.

Die Tödliche Doris: Radikale Retrospektive in Bremen entfesselt Punk, Performance und **Filme**

Im Bremer Weserburg Museum hat die erste große Retrospektive von Die Tödliche Doris ihre Pforten geöffnet. Die Ausstellung feiert das radikale Schaffen des West-Berliner Kollektivs, das 1980 von Wolfgang Müller und Nikolaus Utermöhlen gegründet wurde. Ursprünglich als Punkband gestartet, erweiterte die Gruppe ihr Wirken bald auf Film, Performance und Konzeptkunst – stets mit einem subversiven Unterton.

Das Kollektiv begann 1980 als Punkformation, überschritt jedoch schnell die Grenzen der Musik. Bereits 1981 traten sie beim Festival der genialen Dilettanten in Berlin auf und teilten sich die Bühne mit anderen Avantgarde-Künstlern. Im selben Jahr löste ihr Film Das Leben von Sid Vicious mit seinem provokanten, konfrontativen Stil Empörung aus.

Eines ihrer frühen Werke, Materialien für die Nachkriegszeit (1980–81), bestand darin, weggeworfene Passfotos zu sammeln und zu filmen – ein Beispiel für ihre Gewohnheit, Alltagsgegenstände mit künstlerischem Experiment zu verbinden. 1987 überraschten sie das Publikum der documenta in Kassel, indem sie statt des erwarteten Punk-Spektakels konzeptuelle Malereien präsentierten. Der Film bleibt ein zentrales Element der Retrospektive und verbindet Musik, Performance und bildende Kunst. Die Ausstellung zeigt mehrere gleichzeitig laufende Super-8-Projektionen, die, wie Kurator Radek Krolczyk beschreibt, ein dynamisches "Summen" erzeugen. Anders als viele Punk-Zeitgenossen setzte Die Tödliche Doris weniger auf rohe Aggression als auf spielerische, ironische Provokation. Nikolaus Utermöhlen, 1957 geboren und 1996 verstorben, gründete die Gruppe gemeinsam mit Müller und prägte ihren rebellischen, doch intellektuellen Ansatz.

Die Weserburg-Retrospektive unterstreicht den anhaltenden Einfluss von Die Tödliche Doris auf die experimentelle Kunst. Ihr Schaffen in Film, Performance und Konzeptprojekten stellt bis heute traditionelle künstlerische Grenzen infrage. Die Ausstellung ist im Zentrum für Künstlerpublikationen zu sehen und bietet einen seltenen Einblick in ihre bahnbrechenden Methoden.