21 December 2025, 21:50

Die Wahrheit

Eine Person in einem schwarzen Mantel und grauen Krawatte steht an einem Schreibtisch und hält ein Mikrofon, während sie eine Rede hält, mit schwarzen Vorhängen im Hintergrund.

Die Wahrheit

Die Wahrheit

Teaser: Dank ständiger Berichterstattung sind Merz’ Patzer selbst über die Grenzen des Sauerlands hinaus in Echtzeit bekannt. Was darauf folgt, ist oft noch erschreckender.

25. November 2025, 23:22 Uhr

Friedrich Merz

Der Vorfall begann während eines G20-Gipfeltreffens, wo Merz laut Berichten ein 40-minütiges Wortgefecht mit Brasiliens Präsident Lula geführt haben soll. Sein Team bezeichnete das Gespräch als herzlich und freundschaftlich. Doch die Stimmung kippte, als Merz später Bemerkungen machte, die als undiplomatisch gegenüber Brasilien aufgefasst wurden.

Seine Versuche, die Situation zu glätten, schlugen nach hinten los. Statt den Konflikt beizulegen, verschärften seine Erklärungen die diplomatischen Spannungen weiter. Dieses Muster erinnert an frühere Vorfälle, bei denen Merz’ verbale Ausrutscher – oft noch verstärkt durch seine Bemühungen, sie zu erklären – für Gegenwind sorgten. Während des Treffens hatte Lula scherzhaft vorgeschlagen, Merz solle Brasilien besuchen, um zu tanzen und die lokale Küche zu genießen. Merz soll darauf geantwortet haben: „Super, beim nächsten Mal gehen wir zusammen tanzen!“ Der lockere Austausch stand im krassen Gegensatz zu den späteren Folgen.

Es ist nicht das erste Mal, dass unbedachte Äußerungen eines Politikers für Aufsehen sorgen. 2023 geriet der damalige brasilianische Präsident Jair Bolsonaro in Brasília mit Lula aneinander, bezeichnete ihn als „Kommunisten“ und stellte die Wahlergebnisse infrage. Der ehemalige US-Präsident Obama hingegen zeigte einst mehr Finesse: Er eröffnete eine Rede vor dem britischen Parlament mit einer geistreichen Bemerkung über seine Vorgänger – klischeefrei und dennoch positiv im Ton.

Der Spruch „Gleich geht’s los“ – fälschlich oft Merz zugeschrieben – stammt in Wahrheit aus einer erfundenen Anekdote des Spiegel-Korrespondenten Ernst Goyke. Doch der Mythos hält sich hartnäckig und festigt Merz’ Ruf als Stümper in Sachen Rhetorik.

Der Vorfall unterstreicht die Risiken unfilterter Sprache in der Diplomatie. Merz’ jüngste Aussagen und seine anschließenden Korrekturversuche haben die Beziehungen zu Brasilien belastet. Während sein Team betont, das Treffen sei konstruktiv verlaufen, zeigt der Nachklang einmal mehr, wie spontane Bemerkungen die eigentliche Botschaft überlagern können.