19 December 2025, 17:07

Die Wahrheit

Ein geschmückter Weihnachtsbaum mit Statuen von Menschen darunter auf einem Tisch.

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Allgegenwärtig in Bayern: Vor Weihnachten ist das Gedicht „Heilige Nacht“ des noch immer beliebten Antisemiten Ludwig Thoma in Bayern omnipräsent.

18. Dezember 2025, 23:06 Uhr

Die Debatte um das Erbe Ludwig Thomass flammt in Bayern erneut auf, wo noch immer Straßen und Schulen seinen Namen tragen. Während seine antisemitischen Schriften – insbesondere das Gedicht „Heilige Nacht“ – nach wie vor umstritten sind, bleibt der Einfluss des Autors auf die Kultur ungebrochen. Nun drängen lokale Initiativen und Politiker auf Veränderungen, stoßen aber auf erbitterten Widerstand traditionell eingestellter Verantwortungsträger.

Ludwig Thomass 1908 veröffentlichtes Gedicht „Heilige Nacht“ schildert die beschwerliche Reise von Josef und Maria nach Bethlehem, die von Wirten abgewiesen werden. Der Text, der in Bayern alljährlich zur Weihnachtszeit rezitiert wird, steht seit Langem in der Kritik, da er antisemitische Untertöne transportiert. Dennoch ist er fester Bestandteil volkstümlicher Singabende – die jährlichen „Heilige Nacht“-Aufführungen von Enrico de Paruta sind in München, Ingolstadt und Regensburg regelmäßig ausverkauft.

In den vergangenen Jahren haben Bestrebungen, nach Thoma benannte Straßen umzubenennen, an Fahrt aufgenommen. Bürgerinitiativen, jüdische Organisationen und sogar Nachfahren derer, die von seinen Schriften betroffen waren, unterstützen gemeinsam mit Stadträten und Bürgermeister:innen in Städten wie München, Haar und Traunstein formelle Anträge an die Kommunalparlamente. Doch der Widerstand ist massiv: Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) lehnte die Idee kürzlich kategorisch ab. Das Dilemma beschränkt sich nicht auf Straßenschilder. Viele Eltern haben keine Alternative, als ihre Kinder auf Schulen zu schicken, die Thomass Namen tragen. Seine polarisierende Reputation hält sich hartnäckig – während seine Befürworter betonen, sein literarisches Schaffen überwiege seine vorurteilsbehafteten Ansichten. Vorerst prägt der Name des Dichters weiterhin das bayerische Bild, doch die Rufe nach einer Aufarbeitung werden lauter.

Die Forderung, Thomass Namen aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, spiegelt die größeren Spannungen um das kulturelle Gedächtnis Bayerns wider. Während seine Werke noch immer Konzerthäuser und Weihnachtsfeiern füllen, bestehen Kritiker:innen darauf, dass die Ehrung eines Antisemiten das falsche Signal aussende. Der Ausgang der Umbenennungsdebatten wird zeigen, ob in Bayern Tradition oder Verantwortung die Oberhand behält.