EU-Debatte: Verbrennerverbot 2035 wird infrage gestellt – Niedersachsen fordert mehr Flexibilität
Catrin KabusLies setzt sich für flexible Umsetzung der EU-Klimaziele ein - EU-Debatte: Verbrennerverbot 2035 wird infrage gestellt – Niedersachsen fordert mehr Flexibilität
Die geplante EU-weite Verbrennerverbots für Neuwagen ab 2035 steht erneut auf dem Prüfstand. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies fordert mehr Flexibilität bei der Umsetzung der EU-Klimaziele und plädiert für Anpassungen der aktuellen Vorgaben. Seine Vorschläge diskutierte er kürzlich mit EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné, der sich offen für eine weitere Debatte zeigte.
Bei dem Treffen präsentierte Lies eine Reihe von Empfehlungen, um den Übergang zu emissionsfreiem Verkehr zu erleichtern. Ein zentraler Punkt war die Forderung nach dynamischen Flottengrenzwerten, die reale Faktoren wie Ladeinfrastruktur, Energieversorgung und technologischen Fortschritt in Europa berücksichtigen. Zudem betonte er die Notwendigkeit langfristig stabiler Industrie-Strompreise, um die europäische Produktion von Batteriezellen im Wettbewerb mit asiatischen Herstellern zu halten.
Lies’ Ansatz basiert auf einer "Elektromobilität-zuerst"-Strategie, die den schnellen Ausbau von Ladestationen und verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen in ganz Europa priorisiert. Zwar äußerte sich Séjourné nicht öffentlich zu Lies’ konkreter Bitte, Plug-in-Hybride und Reichweitenverlängerer-Fahrzeuge auch über 2035 hinaus zuzulassen, doch hatte er sich zuvor für offene technische Alternativen ausgesprochen. Séjournés Fokus liegt jedoch auf der übergeordneten Industriepolitik und weniger auf Einzelregelungen im Verkehrssektor.
Der Ministerpräsident warnte zudem, dass Europa ohne eine stärkere eigene Batterieproduktion zu stark von Importen abhängig werde. Seine Vorschläge zielen darauf ab, Klimaziele mit wirtschaftlichen Realitäten in Einklang zu bringen und die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilbranche während des Umstiegs auf grüne Technologien zu sichern.
Die EU-Kommission prüft derzeit das geplante Aus für Verbrennungsmotoren ab 2035 und zieht Lies’ Anregungen in Betracht. Mögliche Änderungen der Richtlinie könnten beeinflussen, wie schnell Europa vollständig auf Elektromobilität in Europa umsteigt. Die Debatte zeigt, wie sehr strenge Klimavorgaben und die praktischen Herausforderungen für Industrie und Infrastruktur miteinander kollidieren.