EU-Mercosur-Abkommen in der Krise: Hannovers Automobilindustrie bangt um Märkte und Arbeitsplätze
Gerdi BaumOnay: Mercosur-Streit trifft Hannover hart - EU-Mercosur-Abkommen in der Krise: Hannovers Automobilindustrie bangt um Märkte und Arbeitsplätze
Das EU-Mercosur-Handelsabkommen, das im Januar 2023 abgeschlossen wurde, sollte eine der größten Freihandelszonen der Welt schaffen. Mit einer Bevölkerung von über 700 Millionen Menschen zielte es darauf ab, Handelsbarrieren und Zölle zwischen der EU und südamerikanischen Ländern wie Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay abzubauen. Doch jüngste politische Entscheidungen haben die Zukunft des Abkommens in Frage gestellt.
Hannover 96, ein zentraler Standort der deutschen Automobilindustrie, hätte von dem Deal erheblich profitieren können. Der Oberbürgermeister der Stadt, Belit Onay, hatte die Vereinbarung zuvor als Chance für lokale Hersteller und Zulieferer bezeichnet, neue Märkte zu erschließen. Nach dem jüngsten Schritt des Europäischen Parlaments bezeichnete er die Entscheidung jedoch als einen "historischen Fehler" und das damit verbundene Signal als "wirklich verheerend". Onay argumentierte, dass die Ignoranz gegenüber globalen Handelsspannungen – insbesondere angesichts der Zollpolitik des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump – weitere Instabilität riskiere.
Das Abkommen wurde vor allem von der deutschen Automobilbranche, darunter Unternehmen in Niedersachsen, nachdrücklich unterstützt. Branchenvertreter sahen darin eine längst überfällige Maßnahme, die Exporte um bis zu 39 % – entsprechend 49 Milliarden Euro jährlich – steigern und über 440.000 Arbeitsplätze sichern sollte. Hohe Zölle, wie die 35-prozentige Abgabe auf Autos, stellten ein zentrales Hindernis dar, das durch das Abkommen beseitigt werden sollte. Trotz Verzögerungen, die die Glaubwürdigkeit der EU schwächten, gab es keine Anzeichen für eine Kursänderung bei den lokalen Unternehmen.
Ursprünglich sollte die Hannover Messe 2023, mit Brasilien als Partnerland, den Start des Abkommens präsentieren. Doch mehrere Europaabgeordnete der Grünen stimmten später dafür, den Vertrag dem Europäischen Gerichtshof zur rechtlichen Prüfung vorzulegen – was die Verhandlungen blockierte.
Die Zukunft des Handelsabkommens steht nun nach dem Eingreifen des Europäischen Parlaments auf der Kippe. Für Hannovers Automobilsektor bedeutet die Verzögerung anhaltende Unsicherheit über Marktzugänge und Zollsenkungen. Die Entscheidung wirft zudem Fragen zur Fähigkeit der EU auf, große Handelsverträge angesichts wechselnder politischer Druckverhältnisse überhaupt abzuschließen.