Ex-Diplomaten zerpflücken Trumps Außenpolitik: Europa als Feindbild statt Partner
Herbert RennerEx-Diplomaten zerpflücken Trumps Außenpolitik: Europa als Feindbild statt Partner
Zwei ehemalige Diplomaten haben in einer neuen Analyse die Außenpolitik von Präsident Donald Trump scharf kritisiert. Christoph Heusgen und Philip Murphy, einst Berater hochrangiger Führungspersönlichkeiten, werfen Trump vor, Europa eher als Gegner denn als Verbündeten zu behandeln. In ihrem Bericht skizzieren sie zudem eine vorgeschlagene Reform des UN-Sicherheitsrats und warnen vor den Risiken eines einseitigen Vorgehens der USA.
Heusgen und Murphy behaupten, Trump habe zentrale demokratische Prinzipien untergraben, indem er die Justiz unter Druck gesetzt und den Kongress an den Rand gedrängt habe. Seine Handlungen – etwa die Drohung, Grönland annektieren zu wollen, oder die Infragestellung der NATO-Verpflichtungen – bezeichnen sie als beispiellose Brüche mit der Tradition. Die Autoren verweisen zudem auf wachsenden Widerstand innerhalb der USA, etwa in Form von öffentlichem Protest gegen die Spritpreise und die Migrationspolitik.
Der Bericht geht davon aus, dass ein künftiger demokratischer Präsident voraussichtlich die transatlantischen Beziehungen stärken und fairere Handelsbeziehungen mit der EU anstreben würde. Die Autoren zeigen sich zuversichtlich, dass demokratische Erfolge bei den anstehenden Midterm-Wahlen Trumps Agenda bremsen könnten.
Bei der UN-Reform schlagen sie eine gemeinsame deutsch-amerikanische Initiative vor, um den Sicherheitsrat zu erweitern. Statt auf einen ständigen Sitz für Deutschland zu drängen, empfehlen sie ein Modell halbpermanenter Mitgliedschaften als realistischere Kompromisslösung. Ihre Warnung ist deutlich: Die Geschichte zeige, dass Katastrophen drohen, wenn das Recht des Stärkeren über das Recht des Gesetzes siegt.
Die Autoren betonen, dass beide Nationen am meisten profitieren, wenn sie sich auf die Rechtsstaatlichkeit statt auf reine Machtpolitik stützen.
Die Analyse fordert einen Kurswechsel weg von Trumps konfrontativer Politik hin zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen den USA und Europa. Sie ruft Deutschland dazu auf, mit den USA an einer UN-Reform zu arbeiten, warnt jedoch zugleich vor den Gefahren ungebremsten unilateralen Handelns. Die Erkenntnisse des Berichts basieren auf der Überzeugung, dass gemeinsame rechtliche Rahmenbedingungen – und nicht Dominanz – langfristige Stabilität sichern.






