10 May 2026, 22:28

Flaggenstreit in Weimar: Hindenburgs Kompromiss spaltet die Nation weiter

Deutsche Flagge mit drei horizontalen Streifen in Schwarz, Rot und Gold, die ein schwarzes Doppeladler-Motiv in der Mitte zeigt.

Flaggenstreit in Weimar: Hindenburgs Kompromiss spaltet die Nation weiter

Der Flaggenstreit im Weimarer Deutschland erreichte im Mai 1926 einen Wendepunkt. Reichspräsident Paul von Hindenburg erließ nach Jahren politischer Spaltung eine neue Verordnung. Der Konflikt hatte die Nation gespalten: Auf der einen Seite standen die Anhänger der kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot, auf der anderen die Befürworter der republikanischen Farben Schwarz-Rot-Gold.

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Die Debatte begann kurz nach der Revolution von 1918, als die Spartakisten und später die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) Rot als Nationalfarbe durchsetzen wollten. Bis Mitte der 1920er Jahre hatte sich die Spaltung zu zwei verfeindeten Lagern verfestigt, von denen jedes sein eigenes Symbol nationaler Identität vertrat.

Der Streit verschärfte sich, nachdem die Alliierten 1919 den Anschluss Österreichs verboten hatten. Rechtsextreme Kräfte sammelten sich hinter den alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot, während die Parteien der „Weimarer Koalition“ Schwarz-Rot-Gold verteidigten. Selbst innerhalb der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) fürchteten einige, der Verzicht auf die Handelsflagge könnte die Interessen der Schifffahrt schädigen.

1925 wurde die Spaltung während der Reichspräsidentenwahl besonders deutlich: Ein „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ stand einem „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“ gegenüber. Im folgenden Jahr schlug Reichskanzler Hans Luther, ein parteiloser Politiker, einen Kompromiss vor, nachdem die Deutsche Volkspartei (DVP) die Rückkehr zur kaiserlichen Flagge gefordert hatte. Hindenburg, der die Spannungen entschärfen wollte, veröffentlichte einen offenen Brief und drängte auf eine verfassungskonforme Lösung.

Edwin Redslob, der Reichskunstwart (Reichskunstbeauftragte), hatte bereits vergeblich versucht, den Konflikt beizulegen. Mit dem Auftrag, eine einheitliche „Reichsflagge“ zu entwerfen, sichtete er unzählige Entwürfe und legte eigene Vorschläge vor – doch keiner fand breite Zustimmung.

Am 5. Mai 1926 unterzeichnete Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung. Das Dekret erlaubte deutschen diplomatischen und konsularischen Vertretungen außerhalb Europas, sowohl die schwarz-rot-goldene Nationalflagge als auch die schwarz-weiß-rote Handelsflagge zu hissen. Der Schritt sollte die Linke und die Mitte dazu bewegen, die republikanischen Farben voll zu akzeptieren – doch die Gräben blieben tief.

Die Verordnung beendete den Flaggenstreit nicht, schuf aber einen vorläufigen Kompromiss. Im Ausland würden nun beide Farbkombinationen gezeigt, ein Spiegelbild der ungelösten Spaltung der Nation. Die Debatte um die deutsche Flagge blieb bis zum Ende der Weimarer Republik ein Symbol für die tiefer liegenden politischen Konflikte des Landes.

Quelle