Fraunhofer WKI entwickelt biobasierte Kleber als nachhaltige Alternative für Industrie und Handwerk
Herbert RennerFraunhofer WKI entwickelt biobasierte Kleber als nachhaltige Alternative für Industrie und Handwerk
Forschende am Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI entwickeln neue Kleber, die vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen und Abfallmaterialien hergestellt werden. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht der Ersatz herkömmlicher, erdölbasierter Kleber durch nachhaltige Alternativen für Branchen wie Bauwesen und Fertigung. Das Institut baut zudem seine Schulungsprogramme aus, um der wachsenden Nachfrage nach Fachwissen in Holzverklebungstechniken gerecht zu werden.
Ein zentrales Projekt widmet sich der Entwicklung formaldehydfreier Kleber auf Basis von Lignin und Zuckeraldehyden. Zudem testen die Wissenschaftler:innen Humine – Nebenprodukte aus der Zuckerverarbeitung – als mögliche Kleber für Holz. Diese biobasierten Lösungen sollen die Abhängigkeit von synthetischen Chemikalien verringern, ohne dabei die Klebekraft zu beeinträchtigen.
Das Prüfzentrum für "Tragende Verklebungen" des Instituts spielt eine entscheidende Rolle bei der Validierung dieser Innovationen. Nach der Niedersächsischen Bauordnung akkreditiert, bewertet es dort wichtige Klebersysteme für den Holzbau. So wird sichergestellt, dass neue Biokleber den branchenüblichen Sicherheits- und Haltbarkeitsstandards entsprechen, bevor sie in der Praxis eingesetzt werden.
Über Holz hinaus erforscht das Team schaltbare Polyurethan- Kleber für Leichtbaukomponenten im Transportsektor. Ein weiteres Vorhaben untersucht, wie natürliche Extraktstoffe im Holz die Verklebung beeinflussen, um Kleber gezielt auf bestimmte Holzarten abzustimmen. Parallel dazu bewertet eine separate Studie die Eignung von Borkenkäfer-befallenem Fichtenholz für die Herstellung von Holzwerkstoffen.
Die Schulungsangebote der WKI | ACADEMY decken mittlerweile Verklebungstechniken für tragende Holzbauteile sowie die Reparatur von Konstruktionselementen ab. Diese Kurse unterstützen Fachleute dabei, die neuesten nachhaltigen Klebetechnologien anzuwenden.
Die Forschung des Instituts könnte ganze Branchen verändern, indem sie konventionelle Kleber durch biobasierte Alternativen ersetzt. Diese Innovationen entsprechen den Zielen der Kreislaufwirtschaft, da sie Abfallmaterialien in hochleistungsfähige Kleber verwandeln. Mit dem Ausbau von Prüfverfahren und Schulungen dürfte der Wandel hin zu nachhaltigen Klebelösungen weiter an Fahrt gewinnen.