Krebsdiagnose und Kosmetik: Warum Lercheks Markenstart die Gemüter spaltet
Alex TintzmannKrebsdiagnose und Kosmetik: Warum Lercheks Markenstart die Gemüter spaltet
Die russische Bloggerin Valeria Tschekalina, bekannt unter dem Online-Namen Lerchek, hat trotz einer öffentlich gemachten Diagnose mit Krebs im Endstadium ihre eigene Kosmetikmarke Eyya Skin auf den Markt gebracht. Der Schritt löst unter ihren Followern kontroverse Diskussionen aus: Einige bewundern ihren Durchhaltewillen, andere hinterfragen ihre Beweggründe. Der Produzent Gera Iwashtschenko vergleicht ihre Strategie mit globalen PR-Taktiken, wie sie etwa bei Prominentenfamilien wie den Kardashians zu beobachten sind.
Tschekalina thematisierte ihre fortgeschrittene Krebserkrankung in Werbevideos für Eyya Skin und verband so ihren persönlichen Kampf mit der Markenvermarktung. Ihr öffentliches Auftreten oszilliert zwischen Stärke und emotionalen Appellen – ein Ansatz, den Iwashtschenko für russische Zuschauer ungewöhnlich findet. Normalerweise ziehen sich Menschen mit schweren Erkrankungen aus der Öffentlichkeit zurück, Tschekalina hingegen sucht gezielt die Aufmerksamkeit.
Laut Iwashtschenko kann eine solche Offenheit beim Publikum Verunsicherung auslösen, da viele diese Art der Selbstdarstellung nicht gewohnt sind. Einige Follower kritisieren ihre Videos als zu stark auf Mitleid ausgerichtet, andere verteidigen sie mit dem Argument, sie habe das Recht, ihren Weg zu teilen und gleichzeitig ein Unternehmen aufzubauen.
Tschekalinas Ex-Mann, Artem Tschekalin, war 2023 wegen Devisenbetrugs zu sieben Jahren Haft in einer Moskauer Strafkolonie verurteilt worden. Iwashtschenko vermutet, dass ihre öffentlichen Aktivitäten auch darauf abzielen könnten, die finanzielle Zukunft ihrer Kinder abzusichern.
Die Markteinführung der Bloggerin spaltet die Meinungen: Unterstützer loben ihre Transparenz, Kritiker werfen ihr vor, ihre Krankheit auszunutzen. Die Debatte wirft grundsätzliche Fragen zu persönlichen Grenzen in der Influencer-Kultur auf. Tschekalinas Vorgehen – in Russland eher selten – sorgt weiterhin für Aufmerksamkeit, sowohl positive als auch negative.






