Medienkongress zeigt: Lokale Verlage kämpfen um digitale Zukunft und Leservertrauen
Alex TintzmannMedienkongress zeigt: Lokale Verlage kämpfen um digitale Zukunft und Leservertrauen
Führende Persönlichkeiten der deutschen Medienlandschaft trafen sich diese Woche auf einem von Madsack veranstalteten Kongress, um über die Zukunft der Branche zu diskutieren. Die unter dem Titel "Die Zukunft der deutschen Medien" stehende Veranstaltung brachte Verleger, Chefredakteure und Analysten zusammen, um sich mit den Herausforderungen der digitalen Transformation auseinanderzusetzen. Thomas Düffert, Vorstandsvorsitzender von Madsack, warnte in seiner Rede davor, dass sich qualitativ hochwertiger Journalismus auf Dauer nicht allein über Druckerlöse finanzieren lasse.
Auch der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck meldete sich zu Wort und rief die Medienorganisationen dazu auf, in Zeiten rasanten Wandels mit größerer Entschlossenheit für die Demokratie einzustehen.
Der Kongress machte deutlich, wie sehr die wirtschaftliche Zukunft traditioneller Medien infrage steht. Düffert kritisierte die aktuellen politischen Rahmenbedingungen in Deutschland, die seiner Meinung nach den Übergang zu digitalen Geschäftsmodellen ausbremsen. Er betonte, dass starke, vertrauenswürdige Medienmarken heute unverzichtbar seien, um sich in einer überfüllten und zersplitterten Nachrichtenlandschaft behaupten zu können.
Holger Friedrich, Verleger der Berliner Zeitung, skizzierte ehrgeizige Pläne für die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ). Die 1990 gegründete OAZ war in den frühen 1990er-Jahren mit einer Auflage von über 400.000 Exemplaren die dominierende Zeitung in Ostdeutschland. Doch bis 2025 war ihre Leserschaft auf unter 50.000 gesunken – weit hinter nationalen Titeln wie der Süddeutschen Zeitung oder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Friedrich will die OAZ nun trotz ihres schwindenden Einflusses als führende Regionalzeitung neu positionieren.
Düffert grenzt den lokaljournalistischen Ansatz von Madsack bewusst von dem der OAZ ab und bestreitet, dass beide in direkter Konkurrenz stünden. Stattdessen unterstrich er die Notwendigkeit branchenweiter Zusammenarbeit, um die Risiken des Wandels zu bewältigen. Nur durch Kooperation, so sein Argument, könnten Verlage den Übergang von der Print- zur nachhaltigen Digitalwirtschaft schaffen.
Friedrich äußerte zudem Bedenken gegenüber jüngeren Journalisten, denen er vorwirft, sich einem "aktivistischen Schwung" hinzugeben, ohne dabei ausreichend fundiert zu recherchieren. Seine Aussagen spiegeln die größeren Spannungen innerhalb der Branche wider, wenn es darum geht, engagierten Journalismus mit traditionellen Standards in Einklang zu bringen.
Die Debatten auf dem Madsack-Kongress zeigten, wie dringend die Anpassung an die digitale Realität ist. Während Verleger wie Friedrich auf regionale Vorherrschaft setzen, plädieren Akteure wie Düffert für gemeinsames Handeln, um die Zukunft der Branche zu sichern. Angesichts sinkender Druckerlöse und zunehmender Konkurrenz bleibt der Weg zu einer nachhaltigen Digitalstrategie die zentrale Herausforderung für die deutschen Medien.