Medizinische Normalisierung: Warum weibliche Genitalbeschneidung in Arztpraxen zunimmt
Herbert RennerMedizinische Normalisierung: Warum weibliche Genitalbeschneidung in Arztpraxen zunimmt
Arztpraxen für weibliche Genitalbeschneidung bleiben ein globales Problem – trotz wachsender Bemühungen um ein Ende der Praxis
Trotz zunehmender Anstrengungen, die weibliche Genitalbeschneidung (FGM) zu beenden, bleibt sie ein weltweites Problem. Die Vereinten Nationen haben sich das Ziel gesetzt, FGM bis 2030 abzuschaffen, doch jedes Jahr sind Millionen Mädchen weiterhin gefährdet. Aktuelle rechtliche Fortschritte in einigen Ländern geben Hoffnung, doch es bestehen weiterhin Lücken bei der Finanzierung und Aufklärung.
Schätzungsweise 230 Millionen Frauen und Mädchen weltweit wurden genital beschneidet – das sind 30 Millionen mehr als noch vor einem Jahrzehnt. Der Eingriff, der oft vor der Pubertät durchgeführt wird, hinterlässt bei den Betroffenen lebenslange körperliche und psychische Folgen. Allein in Europa leben rund 600.000 Mädchen und Frauen mit den Spätfolgen von FGM.
Jährlich droht 4,4 Millionen Mädchen die Gefahr, dieser Praxis unterzogen zu werden. Zwar haben mittlerweile 58 Länder explizite Verbote erlassen, doch in mindestens 94 Staaten wurde FGM dokumentiert. Präventionsprogramme leiden unter massiver Unterfinanzierung, was den Fortschritt bei der Ausrottung der Praxis bremst.
Besorgniserregend ist der Trend, dass FGM zunehmend in Arztpraxen durchgeführt wird. Immer häufiger führen ausgebildete Gesundheitsfachkräfte die Eingriffe durch – mit dem Risiko, dass eine Praxis, die die UN abschaffen will, normalisiert wird. Diese Entwicklung erschwert die Bemühungen, kulturelle Einstellungen zu ändern und rechtliche Schutzmaßnahmen durchzusetzen.
Ein jüngster Erfolg war 2025 die Einführung eines strengen FGM-Verbots in Mali. Das Gesetz folgte auf mehr als ein Jahrzehnt des Einsatzes von zivilgesellschaftlichen Gruppen und internationalen Organisationen. Einrichtungen wie das House of Hope spielten dabei eine zentrale Rolle, indem sie medizinische Versorgung, rechtliche Unterstützung und Aufklärung für betroffene Mädchen anboten.
Das UN-Ziel, FGM bis 2030 zu beenden, steht vor erheblichen Herausforderungen – darunter Finanzierungsengpässe und die zunehmende Medizinisierung der Praxis in Arztpraxen. Zwar markieren rechtliche Verbote wie das neue Gesetz in Mali Fortschritte, doch bleiben jedes Jahr Millionen Mädchen gefährdet. Anhaltende Aufklärungsarbeit und ausreichende Ressourcen sind entscheidend, um die Betroffenen zu schützen und Überlebende zu unterstützen.