Niedersachsen reformiert sein Schulsystem: Mehr Mitsprache und Flexibilität ab 2026
Gerdi BaumMehr Selbstbestimmung: Was das neue Schulgesetz bietet - Niedersachsen reformiert sein Schulsystem: Mehr Mitsprache und Flexibilität ab 2026
Niedersachsen plant umfassende Reformen seines Schulsystems. Der Landesregierung hat einen Gesetzentwurf zur Novellierung des Schulgesetzes verabschiedet, der ab August 2026 in Kraft treten soll. Bis zum 1. Dezember können Bürgerinnen und Bürger Stellung zu den Plänen nehmen.
Bildungsministerin Julia Willie Hamburg treibt die Reformen voran, um Schülerinnen und Schülern mehr Mitspracherechte bei ihrer schulischen Laufbahn einzuräumen. An Grundschulen werden künftig Klassen- und Schülersprecher eingeführt, ergänzt durch regelmäßige Klassenräte. Diese Neuerungen gelten auch für Förderschulen.
Ab dem Schuljahr 2026/27 erhalten Grundschüler ein neues Fach: „Werte und Normen“, das als Alternative zum Religionsunterricht angeboten wird. Eine weitere zentrale Änderung sieht vor, dass Grundschulen alle vier Jahrgangsstufen in „Familienklassen“ zusammenfassen können – ein Modell, das individuelle Förderung stärken und den Zusammenhalt unter den Kindern fördern soll. Für ältere Schüler entfallen an Gymnasien der Oberstufe die festen Fachbindungen, um ihnen mehr Wahlfreiheit bei der Kursgestaltung zu ermöglichen. Auch an weiterführenden Schulen wird es mehr Flexibilität bei der jahrgangsübergreifenden Unterrichtsorganisation geben. Das Gesetz regelt zudem klarer den Digitalunterricht bei Extremwetter oder anderen Störungen, wobei der Präsenzunterricht weiterhin Vorrang hat. Zusätzliche Schutzbestimmungen werden für Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS), Rechenschwäche oder anderen Lernbeeinträchtigungen verankert, um ihnen angemessene Nachteilsausgleiche und Notenanpassungen zu garantieren. Bisher wurden keine konkreten Organisationen oder Fachleute als Beteiligte des bis Dezember laufenden Rückmeldeverfahrens benannt.
Die überarbeitete Fassung des Schulgesetzes könnte bereits am 1. August 2026 in Kraft treten. Sie sieht neue Strukturen für Schülerbeteiligung, flexiblere Lehrmethoden und eine bessere Unterstützung für Kinder mit Lernschwierigkeiten vor. Die endgültige Fassung hängt von den Rückmeldungen während der Konsultationsphase ab.