Pistorius lehnt Rückkehr zur Wehrpflicht ab – trotz Personalnot in der Bundeswehr
Catrin KabusPistorius lehnt Rückkehr zur Wehrpflicht ab – trotz Personalnot in der Bundeswehr
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat trotz anhaltendem Personalmangel eine Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht ausgeschlossen. Er bestätigte, dass das Freiwilligenprinzip auch in den kommenden Jahren die Grundlage für die Rekrutierung der Bundeswehr bleiben werde. Eine bedarfsgerechte Auswahlmusterung stehe derzeit ebenfalls nicht zur Debatte.
Die Bundesregierung beobachtet die Entwicklung der Truppe genau. Man habe vereinbart, dass bei einem künftigen Überhang an offenen Stellen im Vergleich zu qualifizierten Bewerbern korrigierende Maßnahmen ergriffen werden könnten. Eine Rückkehr zur Wehrpflicht scheidet jedoch aufgrund fehlender Ausbilder und unzureichender Infrastruktur aus.
Pistorius betonte zudem die Bedeutung moderner Militärstrategien. Überlegenheit hänge heute sowohl von hochentwickelter Technologie als auch vom massenhaften Einsatz kostengünstiger Drohnen ab. Um die Verteidigungsfähigkeit zu stärken, schlug er vor, das Know-how der Automobilindustrie für die Rüstungsbranche zu nutzen.
Interne Prüfungen hatten kürzlich deutliche Kostenüberschreitungen beim Fregattenprojekt F126 aufgedeckt. Die Gesamtausgaben des Marineprogramms sind auf über 18 Milliarden Euro angestiegen – ein Plus von 8 Milliarden gegenüber früheren Schätzungen. Als Reaktion wurde ein Runden Tisch eingerichtet, um widerstandsfähige Lieferketten zu sichern und Engpässe zu vermeiden.
In der Rekrutierungspolitik bleibt der Verteidigungsminister unnachgiebig: Die Bundeswehr wird weiterhin auf Freiwillige setzen, eine Wehrpflicht ist vorerst nicht geplant. Gleichzeitig laufen Bemühungen, die Kosten in Rüstungsprojekten zu kontrollieren und die Lieferketten zu stabilisieren.
