RWE baut Mega-Batteriespeicher in Lingen – doch regulatorische Hürden drohen den Fortschritt zu bremsen
Gerdi BaumRWE baut Mega-Batteriespeicher in Lingen – doch regulatorische Hürden drohen den Fortschritt zu bremsen
Deutschlands Energiespeichersektor tritt in eine neue Phase großflächiger Entwicklung ein. Aktuelle Projekte, darunter RWE-Batteriesysteme mit einer Kapazität von 700 MWh bzw. 800 MWh, markieren den Wandel hin zu größeren und technisch ausgereifteren netzgebundenen Speicherlösungen. Doch Branchenvertreter warnen, dass regulatorische Hürden den weiteren Fortschritt trotz der aktuellen Dynamik bremsen könnten.
Zwei große Vorhaben in Niedersachsen – eines in Lingen und ein weiteres in Alfeld – nehmen nun konkrete Formen an, wobei sich die Bauzeiten bis 2026 und 2028 erstrecken.
Am 2. Februar 2026 traf RWE die finale Investitionsentscheidung für den Bau eines Batterie-Großspeichers (BESS) in Lingen mit einer Speicherdauer von zwei Stunden. Die Anlage wird aus 200 Lithium-Ionen-Batterieeinheiten, 100 Wechselrichtern sowie über 50 Mittelspannungstransformatoren bestehen, ergänzt durch zwei Hochspannungstransformatoren. Ab der geplanten Inbetriebnahme 2028 soll sie über das derzeit im Bau befindliche Umspannwerk Hilgenburg des Netzbetreibers Amprion ans Netz angebunden werden. RWE-Chef Nikolaus Valerius betonte, das System werde das Stromnetz stabilisieren und durch millisekundenschnelle Reaktion auf Nachfrageschwankungen zur Glättung der Strompreise beitragen.
Unterdessen hat Kyon Energy in Alfeld (Niedersachsen) bereits einen Batteriespeicher mit 137,5 MW Leistung und 282 MWh Kapazität ans Netz angeschlossen. Das für den Scale Fund entwickelte Projekt nutzt einen 110-kV-Anschluss, betrieben von Avacon. Nach Testläufen und Probebetrieb soll die Anlage im August 2026 die volle kommerzielle Betriebserlaubnis erhalten.
Darüber hinaus hat LEAG Fluence und HyperStrong als Lieferanten für zwei weitere Großprojekte ausgewählt: ein System mit 1 GW Leistung und 4 GWh Kapazität sowie eine Anlage mit 400 MW und 1,6 GWh. Mit den Bauarbeiten soll in Kürze begonnen werden.
Trotz der Fortschritte wies Leandra Boes, Direktorin für Asset Management bei Green Flexibility, auf anhaltende Herausforderungen im deutschen regulatorischen und politischen Rahmen hin. Zwar nehme die Zahl der Inbetriebnahmen zu, doch könnten diese Barrieren das künftige Wachstum des Sektors begrenzen.
Die Projekte in Lingen und Alfeld stehen exemplarisch für Deutschlands Bestreben, größere und effizientere Energiespeicherlösungen voranzutreiben. Während RWEs Anlage bis 2028 fertiggestellt werden soll und Kyon Energys Speicher in Alfeld kurz vor der Vollendung steht, wird die netzgebundene Speicherkapazität des Landes deutlich ausgebaut. Branchenexperten betonen jedoch, dass politische Anpassungen entscheidend sein werden, um dieses Wachstum langfristig zu sichern.