Stadtwerke bleiben im Visier
Stadtwerke bleiben im Fokus der Kartellbehörde
Gespräche mit Kartellamt noch nicht abgeschlossen – Gaspreise sinken zum Jahreswechsel
21. November 2025, 10:36 Uhr
Haushalte in vier niedersächsischen Gemeinden könnten mit bis zu 400 Euro pro Haushalt entschädigt werden, falls die Aufsichtsbehörden überhöhte Gaspreise ihres Versorgers bestätigen. Gegen die Heidjer Stadtwerke, den Grundversorger für Schneverdingen, Neuenkirchen, Fintel und Vahlde, wird wegen mutmaßlich „missbräuchlich überteuerter“ Preise zwischen September 2021 und August 2023 ermittelt. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück und führt die hohen Preise auf gestiegene Beschaffungskosten zurück.
Das Landesamt für Kartellrecht Niedersachsen prüft derzeit, ob die Heidjer Stadtwerke ihre Kunden in dem Zweijahreszeitraum übermäßig belastet haben. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte die Behörde ein formelles Verfahren einleiten und den Versorger zwingen, betroffene Haushalte zu entschädigen. Die möglichen Rückerstattungen – geschätzt auf bis zu 400 Euro pro Haushalt – basieren auf einer durchschnittlichen Überberechnung von etwa 20 Cent pro Kilowattstunde.
Die Heidjer Stadtwerke kritisieren das Vorgehen des Kartellamts, insbesondere die Veröffentlichung eines Berichts zu den Gaspreisen ohne vorherige Abstimmung mit dem Unternehmen. Der Versorger betont, dass seine Preise die tatsächlichen Beschaffungskosten widerspiegelten und nicht unangemessen hoch gewesen seien. Die Gespräche zwischen der Kartellbehörde und dem Unternehmen dauern derweil an, eine endgültige Einigung steht noch aus. Trotz der laufenden Untersuchungen kündigte das Unternehmen jedoch eine Preissenkung für das kommende Jahr an: Ab 2024 sinkt der variable Gastarif um 1,19 Cent (brutto) pro Kilowattstunde in allen Tarifmodellen. Vertriebsleiter Alex Stewing führte die Reduzierung auf verbesserte Beschaffungsstrategien zurück und prognostizierte stabile Preise in den kommenden Jahren. Rund 300 Haushalte in der Region beziehen ihren Grundbedarf an Gas weiterhin über die Heidjer Stadtwerke.
Energiemarktexperte Thorsten Stork von Verifox wies darauf hin, dass viele regionale Versorger trotz höherer Netzentgelte Spielraum für Preissenkungen hätten, da die aktuellen Marktpreise entsprechend hoch seien.
Die Entscheidung des Kartellamts wird darüber entscheiden, ob Kunden eine Entschädigung erhalten. Falls die Ermittlungen eine Preismanipulation bestätigen, könnten betroffene Haushalte für den fraglichen Zeitraum Rückzahlungen beantragen. Die Heidjer Stadtwerke halten ihre Preispolitik jedoch für gerechtfertigt und haben bereits Maßnahmen ergriffen, um die Kosten für die Zukunft zu senken.