Theaterbesuch endet mit skurriler Therapie gegen avantgardistische Ängste
Gerdi BaumTheaterbesuch endet mit skurriler Therapie gegen avantgardistische Ängste
Ein jüngster Theaterbesuch hinterließ bei einem Zuschauer zwiespältige Gefühle. Das Stück, eine visuell beeindruckende Auseinandersetzung mit Apokalypse, Überleben und menschlicher Verbundenheit, weckte sowohl Bewunderung als auch Unbehagen. Doch das Erlebnis führte zu einem unerwarteten Vorschlag: eine Desensibilisierungstherapie, um anhaltende Ängste vor avantgardistischen Aufführungen zu überwinden.
Der Abend begann mit hohen Erwartungen. Die mutigen Themen und die eindrucksvollen Bilder der Inszenierung fesselten das Publikum, auch wenn ein einzelner Zuschauer mit einem scharfen Buh seine Missbilligung zum Ausdruck brachte. Am Ende der zweistündigen Vorstellung jedoch belohnte das Publikum die Darsteller mit donnerndem Applaus.
Der Hauptdarsteller, bekannt dafür, nackt aufzutreten und gelegentlich aus der Rolle zu fallen, verstärkte das Unwohlsein. Sein Ruf hatte den Zuschauer bereits zögern lassen, eine weitere große Berliner Produktion zu besuchen. Ein Freund, der die Verunsicherung bemerkte, schlug eine radikale Lösung vor: eine Desensibilisierungstherapie.
Die Therapiesitzung selbst erwies sich als surreal. Sie umfasste die Vorführung von Frühling für Hitler – einem satirischen Musical – als Form der Bewältigung. Danach erarbeiteten die beiden eine Liste extremer kultureller Herausforderungen, beginnend mit „Besuche jede Aufführung des nackten Schauspielers.“ Der letzte Punkt, „Mache eine Kreuzfahrt mit Pflichtbesuch der Abendshow Heino trifft Rammstein“, ging dann doch zu weit. Allein der Gedanke daran löste Übelkeit aus.
In einer überraschenden Wendung entwarf der Freund ein Sensibilisierungsprogramm gegen rassistische Vorherrschaft und Zwangsassimilation, finanziert durch die Gewinne klassischer Filme. Der Vorschlag, wenn auch idealistisch, fügte dem ohnehin schon skurrilen Abend eine weitere Ebene hinzu.
Das Erlebnis verdeutlichte die Spannung zwischen künstlerischer Kühnheit und persönlichem Wohlbefinden. Während das Stück selbst Lob erntete, bestärkte der unkonventionelle Stil des Hauptdarstellers bestehende Ängste. Vorerst bleiben die Idee einer Therapie – oder eine Kreuzfahrt mit „Heino trifft Rammstein“ – eher ferne Aussichten als echte Lösungen.






