Zwischen Bildschirm und Einsamkeit: Wie Senioren zurückgelassen werden
Catrin KabusZwischen Bildschirm und Einsamkeit: Wie Senioren zurückgelassen werden
Ältere Menschen in Deutschland kämpfen zunehmend damit, mit dem digitalen Wandel Schritt zu halten. Viele fühlen sich abgehängt, da Banken, Dienstleistungen und Alltagsaufgaben zunehmend online abgewickelt werden. Diese Entwicklung löst Sorgen über Ausgrenzung aus – besonders bei Senioren und Menschen mit Behinderungen, die oft weder Zugang noch die nötigen Kenntnisse besitzen.
In Niedersachsen wachsen die Bemühungen, die digitale Kluft zu überbrücken. Die Braunschweiger Landessparkasse (BLSK) bietet sowohl digitale als auch persönliche Unterstützung an: Über 80 Mitarbeiter helfen Kunden täglich beim Online-Banking. Zudem setzt die Bank auf generationenübergreifende Projekte, um die digitale Kompetenz zu stärken. Dies knüpft an eine lange Tradition an – seit 1952 betreibt die BLSK mobile Bankfilialen („Bankzüge“), um ländliche Regionen zu versorgen.
Landesweit soll ein Netz aus Kursen und Initiativen älteren Bürgern mehr Sicherheit im Umgang mit digitalen Medien vermitteln. Doch die Herausforderungen bleiben. Friedrich Stubbe, Landesvorsitzender des Sozialverbands VdK Niedersachsen-Bremen, warnt vor einer wachsenden „digitalen Mauer“, die all jene isoliert, die mit der Technik nicht vertraut sind. Er fordert die Banken auf, Filialen offen zu halten oder Alternativen wie Beratung auf Abruf und mobile Angebote zu schaffen. Beim Verbraucherzentrale Niedersachsen fallen die Reaktionen auf digitale Tools unterschiedlich aus: Manche zeigen Interesse, andere fürchten Betrug oder meiden das Internet gänzlich. Bundesweit leben etwa 2,8 Millionen Menschen komplett offline – allein in Niedersachsen sind es Zehntausende. Fast ein Drittel der über 65-Jährigen in Deutschland nutzt das Internet selten oder nie, was die ungleiche Geschwindigkeit der Digitalisierung unterstreicht. Ländliche Regionen kämpfen zusätzlich mit schlechter Infrastruktur. Stubbe betont, wie wichtig ein Ausgleich ist: analoge Optionen erhalten, während der digitale Zugang mit Weitsicht ausgebaut wird.
Der Einsatz für digitale Teilhabe in Niedersachsen geht weiter, doch Lücken bestehen fort. Unterstützungsprogramme und mobile Dienste sollen Senioren den Übergang erleichtern, doch viele greifen weiterhin auf bewährte Methoden zurück. Ohne weitere Maßnahmen bleibt das Risiko der Ausgrenzung älterer und benachteiligter Gruppen ein drängendes Problem.