Abschied vom Berliner Lettering-Museum: Ein Stück Leuchtgeschichte erlischt
Catrin KabusAbschied vom Berliner Lettering-Museum: Ein Stück Leuchtgeschichte erlischt
Berlins legendäres Lettering-Museum in Berlin schließt am Montag nach Jahren finanzieller Kämpfe
Das ikonische Lettering-Museum in Berlin wird an diesem Montag seine Türen für immer schließen. Die Sammlung, zu der auch das berühmte Neon-Schild "Zierfisch" gehört, prägte jahrzehntelang den Stadtteil Friedrichshain. Steigende Kosten und sinkende Besucherzahlen haben den Weiterbetrieb unmöglich gemacht.
Das "Zierfisch"-Schild erleuchtete erstmals in den frühen 1980er-Jahren eine märchenhaft anmutende Hochhausfassade am Frankfurter Tor. Ursprünglich warb es in DDR-Zeiten für ein Aquaristikgeschäft im Erdgeschoss. Die Neoninstallation zeigte bunte Fische in verschiedenen Größen, kombiniert mit markanter Schrift. Um 1999 entstand ein Nachbau, doch das Original wurde später demontiert und konserviert.
Das Berliner Lettering-Museum, 2005 von Barbara Dechant gegründet, beherbergte das Schild zusammen mit rund 3.500 weiteren Neon-Buchstaben. Dazu zählen historische Leuchtreklamen von Läden, Bahnhöfen und Einrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dechant und ein 120 Mitglieder zählender Verein – darunter der Schriftgestalter Lucas de Groot – hielten die Sammlung über Jahre am Leben.
Doch die Herausforderungen wuchsen: Nach der Corona-Pandemie halbierten sich die Besucherzahlen, während Energie- und Betriebskosten explodierten. Da eine weitere Finanzierung nicht mehr tragbar ist, sucht Dechants Team nun nach Lagerräumen. Gleichzeitig hoffen sie, dass eine andere Institution die Sammlung übernimmt.
Ein möglicher Nachfolger ist das FHXB-Museum in Berlin, das sich auf lokale Geschichte, Druckkunst und Grafik spezialisiert hat. Die hauseigene Museumsdruckerei Gerd Schneider bewahrt bereits ähnliches Kulturgut. Ob das "Zierfisch"-Schild und Tausende weiterer Neonbuchstaben dort eine neue Heimat finden, steht jedoch noch in den Sternen.
Die Schließung wirft die Frage auf, wie es mit Jahrzehnten gesammelter Schriftgeschichte weitergeht. Dechants Team sucht weiter nach Partnern, um die Exponate zu erhalten und Berlins Leuchtreklame-Erbe der Öffentlichkeit zugänglich zu halten. Ohne Lösung droht die Sammlung jedoch auf unbestimmte Zeit in Depots zu verschwinden.






