AfD in Niedersachsen: Whistleblowerin enthüllt geheimes Machtnetzwerk und Spendenskandal
Catrin KabusAfD in Niedersachsen: Whistleblowerin enthüllt geheimes Machtnetzwerk und Spendenskandal
Interne Machtkämpfe erschüttern die AfD in Niedersachsen
Ein eskalierender innerparteilicher Konflikt hat die Alternative für Deutschland (AfD) in Niedersachsen schwer erschüttert. Die Whistleblowerin Anja Arndt hat ein angeblich geheimes Netzwerk enthüllt, das die Landespartei kontrollieren soll. Ihre Vorwürfe reichen von finanziellen Unregelmäßigkeiten über Machtmissbrauch bis hin zu einer Kultur der Einschüchterung, die durch Treueeide erzwungen werde.
Die Affäre weitet sich aus: Die Staatsanwaltschaft prüft inzwischen die Finanzen eines hochrangigen Funktionärs, während Kritiker der Partei in anderen Bundesländern Vetternwirtschaft vorwerfen.
Der Streit war eskaliert, nachdem Arndt, ehemalige Mitglied der AfD-Landesführung, einen 15-seitigen Brief sowie 78 Seiten Beweismaterial an die Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla geschickt hatte. Darin beschreibt sie ein Netzwerk aus rund 80 Prozent der Kreisvorsitzenden, die sich über WhatsApp-Gruppen mit Namen wie "Bündnis-Hauptquartier" abstimmen. Das Bündnis soll sich laut Arndt am 10. Februar 2024 während einer Sitzung im hannoverschen Landtag formiert haben – beteiligt gewesen seien unter anderem Ansgar Schledde, Brandes, Hanker, König, Meiners und Rudzka.
Arndt gab an, die Versammlung verlassen zu haben, als die Teilnehmer aufgefordert wurden, einen Schweigeeid über die Aktivitäten der Gruppe abzulegen. Thomas Müller, ehemaliger Kreisvorsitzender in Goslar, bestätigte später die Existenz des Netzwerks und bezeichnete es als ein System, das Abhängigkeit und Gefolgschaft fördere. Interne Dokumente legen nahe, dass Müller selbst versucht habe, seinen Einfluss auszubauen, indem er Mitglieder von offiziellen Kommunikationskanälen abschnitt und mit Olga Grabo eine private AfD-Chatgruppe gründete.
Schledde, Landesvorsitzender der AfD in Niedersachsen, bezeichnete Arndt und Müller als "ehrgeizig, aber schwierig" und forderte sie auf, die Partei zu verlassen. Ihre Behauptungen über das Bündnis nannte er "absurde Unterstellungen" und bestätigte, dass gegen Müller ein Parteiausschlussverfahren wegen "parteischädigenden Verhaltens" eingeleitet worden sei. Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover gegen Schledde wegen des Verdachts, er habe 48.000 Euro an Parteispenden auf sein Privatkonto umgeleitet.
Die Kontroverse beschränkt sich nicht auf Niedersachsen. In Sachsen-Anhalt steht der Fraktionsvorsitzende Ulrich Siegmund in der Kritik, weil er mehrere Familienmitglieder in parteifinanzierte Positionen gebracht haben soll. Der einflussreiche AfD-nahe Aktivist Götz Kubitschek argumentierte, solche Personalien und interne Machtkämpfe hätten die "Glaubwürdigkeit der Partei zerstört" und wiesen auf tiefgreifende strukturelle Probleme hin.
Bisher hat der AfD-Landesverband Niedersachsen neben Müller keine weiteren Mitglieder ausgeschlossen – Stand Februar 2026, obwohl das Ausschlussverfahren läuft. Arndts detaillierte Vorwürfe und die laufenden finanziellen Ermittlungen deuten jedoch auf eine weitere Prüfung der innerparteilichen Vorgänge hin. Die Affäre lenkt zudem den Blick auf die Personalpolitik in Sachsen-Anhalt, wo Siegmunds Anstellung von Angehörigen weiterhin für Empörung sorgt.






