Angélica Liddells provokantes Seppuku: Mishimas Tod als Bühnendrama
Herbert RennerAngélica Liddells provokantes Seppuku: Mishimas Tod als Bühnendrama
Angélica Liddells neues Werk Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben hat im Volkstheater Premiere gefeiert. Die Aufführung ist Teil der Wiener Festwochen, die sich in diesem Jahr mit den Themen Leben, Tod und dem Makabren auseinandersetzen. Liddell bezieht sich dabei auf eine eigene Erfahrung: die Zeugin eines Suizids einer Frau in Madrid zu Beginn dieses Jahres.
Im Mittelpunkt der Inszenierung stehen das Leben und der rituelle Selbstmord des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima. Das Stück zeigt eine dramatische Nachstellung seines Seppuku, einer zeremoniellen Form des Selbstaufschlitzens. Liddell liefert im Höhepunkt der Vorstellung eine leidenschaftliche Verteidigung des Suizids.
Die Bühnengestaltung ist intensiv und eindringlich. An einer Stelle vermischen Liddell und eine weitere Darstellerin ihr Blut auf der Bühne, was der rohen und expliziten Natur der Produktion zusätzliche Schärfe verleiht. Gleichzeitig durchzieht schwarzer Humor das Stück und setzt einen Kontrast zu der schweren Thematik.
Liddell erkundet das Leben und den Tod fremder Menschen, wobei Kleidungsstücke als symbolisches Element dienen. Die Aufführung betrachtet die Sterblichkeit aus persönlicher und historischer Perspektive und verbindet Schock mit Reflexion.
Die Premiere ist ein gewagter Beitrag zu den Wiener Festwochen. Liddells Werk konfrontiert das Publikum mit schonungslosen Darstellungen von Tod und Ritual. Die Produktion hinterlässt mit ihrem kompromisslosen und provokanten Zugang zu den Themen einen bleibenden Eindruck.






