Behrens stellt Bundesprojekt "Cyberdome" infrage – Dobrindts Pläne unklar
Alex TintzmannBehrens stellt Bundesprojekt "Cyberdome" infrage – Dobrindts Pläne unklar
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens äußert Zweifel an Bundesregierungsprojekt "Cyberdome"
Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens hat Fragen zum neuen "Cyberdome"-Projekt der Bundesregierung aufgeworfen. Die Initiative unter Leitung von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) soll ein digitales Abwehrsystem nach dem Vorbild des israelischen "Iron Dome" schaffen. Behrens räumte ein, dass ihr zentrale Details noch unklar seien – sie warte auf eine offizielle Vorstellung des Plans.
Der "Cyberdome" ist als mehrstufiges Verteidigungskonzept angelegt, das mithilfe von KI Bedrohungen für kritische Infrastrukturen erkennen soll. Priorisiert werden Risiken in den Bereichen Energie, Telekommunikation, Finanzen und Gesundheit, um Frühwarnungen oder automatisierte Gegenmaßnahmen zu ermöglichen. Zwar billigte die Bundesregierung das Projekt im August 2025, doch der vollständige Umsetzungsplan steht noch aus.
Im Rahmen der Initiative hat Deutschland die Zusammenarbeit mit Israel vertieft. Ende 2025 unterzeichneten Dobrindt und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu in Jerusalem ein "Cyber- und Sicherheitsabkommen". Gemeinsame Übungen wie "Blue Horizon" sowie die Einrichtung eines KI- und Cyberinnovationszentrums laufen bereits – mit Schulungen für Experten beider Länder.
Behrens kritisierte jedoch die bisherige Informationslage. Sie betonte, der Verfassungsschutz – Deutschlands Inlandsnachrichtendienst – solle sich auf die Informationsbeschaffung und die Beobachtung von Extremisten konzentrieren, statt aktiv gegen andere Behörden vorzugehen. Zwar unterstützt sie eine Stärkung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), doch zu Dobrindts geplanten Reformen des Verfassungsschutzes selbst lägen ihr noch keine Details vor.
Niedersachsen hat bereits eigene Schritte in der Cybersicherheit unternommen: 30 Millionen Euro flossen in einen landesweiten Schutzschild für die Verwaltungssysteme. Zudem wurde die regionale Verfassungsschutzbehörde reformiert und ihre Ermittlungskapazitäten ausgebaut. Behrens signalisierte Bereitschaft zur Mitwirkung an einer bundesweiten Cyberstrategie – vorausgesetzt, diese bringe klare Vorteile für Niedersachsen.
Die Zukunft des "Cyberdome" hängt davon ab, wie die Bundesregierung Bedenken aus Ländern wie Niedersachsen ausräumt. Behrens machte deutlich, dass sie vor einer Unterstützung weitere Details benötige. Bis dahin liege ihr Fokus auf der Stärkung bestehender Abwehrmechanismen und der Sicherstellung, dass ein nationaler Ansatz den regionalen Bedürfnissen entspricht.