Bergkirchweih in Erlangen: Warum diese Partyschlager jetzt tabu sind
Alex TintzmannBergkirchweih in Erlangen: Warum diese Partyschlager jetzt tabu sind
Erlangens berühmtes Bergkirchweih-Volksfest bereitet sich auf fast eine Million Besucher vor – doch hinter den Kulissen sorgt eine Debatte über Musik für Aufsehen. Die Stadt hat nun mehrere klassische Partyschlager als „sexistisch“ eingestuft und die Veranstalter aufgefordert, auf deren Abspielung zu verzichten.
Auslöser war eine Überprüfung des Festivalprogramms durch die beiden Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, nach Beschwerden von Besuchern. Diese hatten berichtet, sich durch aggressives Verhalten von Männern unwohl gefühlt zu haben – und dies mit bestimmten Liedern in Verbindung gebracht. Titel wie Skandal im Sperrbezirk sowie Stücke von Künstlern wie Mickie Krause und Peter Wackel landen so auf der städtischen Liste problematischer Songtexte.
Kein Einzelfall: Schon 2021 hatte der Stadtrat – unterstützt von CSU, Linken und SPD – Songs mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ verurteilt. Die aktuelle Maßnahme geht noch einen Schritt weiter und zielt gezielt auf frauenfeindliche Texte ab.
Doch nicht alle stehen hinter der Entscheidung. Wirte zweifeln daran, ob ein Liedverbot das Verhalten ändert, und manche Künstler zögern inzwischen, in Deutschland aufzutreten. Sie begründen ihre Zurückhaltung mit den wachsenden Einschränkungen bei Songtexten.
Das Bergkirchweih findet wie geplant statt – allerdings mit einer überarbeiteten Musikauswahl. Die Stadt will mit ihrer Liste ein inklusiveres Klima schaffen, doch Widerstand von Gastwirten und Künstlern bleibt. Wie sich dies auf die jahrhundertealten Traditionen des Festes auswirkt, bleibt abzuwarten.






