23 April 2026, 14:54

"Blutbuch" auf der Bühne: Wie Kim de l'Horizons Debüt zum Theatererlebnis wird

Plakat mit dem Text "Toiletten sind geschlechtsneutral" betont die Geschlechtergerechtigkeit in den Toiletteneinrichtungen.

"Blutbuch" auf der Bühne: Wie Kim de l'Horizons Debüt zum Theatererlebnis wird

Die Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Debütroman feierte vor ausverkauftem Haus Premiere in Berlins Vaganten Bühne. Das Stück, basierend auf dem mit dem Deutschen und Schweizer Buchpreis 2022 ausgezeichneten Werk, taucht ein in Themen wie Identität, Trauma und das Schweigen, das sich durch die Generationen zieht. Auf der Bühne verkörpern drei Schauspieler:innen die Protagonistin Kim in einer visuell beeindruckenden Inszenierung.

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Die Geschichte begleitet Kim, eine genderfluide Figur, die mit Selbstakzeptanz ringt und ihren Körper nur dann spürt, wenn sie ihn "verschenkt". Ihre Reise entfaltet sich durch flüchtige Begegnungen auf Apps wie Grindr – eine Suche nach Verbindung, die tiefere innere Konflikte widerspiegelt. Den Anstoß gibt die Demenz ihrer Großmutter, die Kim zwingt, sich an Kindheitserinnerungen in einem Schweizer Vorort zu erinnern.

Das Stück verwebt transgenerationelle Traumata und verfolgt Kims mütterliche Blutlinie bis ins 14. Jahrhundert zurück. Eine Modenschau zeigt die drei Darsteller:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – in weißen Spitzenkleidern unter dem missbilligenden Blick von Kims Großmutter, Grandsea. Über der Bühne hängen zerrissene beige Strumpfhosen, schwer beladen mit Sand und Bällen – Symbole für die Lasten, die über die Zeit weitergegeben werden.

Durch schonungslose Erzählweise und kraftvolle Bilder stellt die Adaption das Schweigen infrage, das Familientraumata jahrhundertelang umhüllt hat. Die Produktion gibt dem eine Stimme, was frühere Generationen nicht aussprechen konnten, und durchbricht so den Kreislauf ungesagten Leidens.

Die Uraufführung markiert einen mutigen Schritt, Kims de l'Horizons eindringliche Erzählung auf die Bühne zu bringen. Mit der ausverkauften Premiere hat das Stück bereits Aufmerksamkeit für seinen ungeschönten Blick auf Identität und geerbtes Leid erregt. Die Besetzung der Hauptrolle mit drei Schauspieler:innen unterstreicht die Vielschichtigkeit von Kims Weg – sowohl persönlich als auch historisch.

Quelle