Böhmermanns Ausstellung in Berlin polarisiert vor der Eröffnung mit Zensur-Debatte
Herbert RennerBöhmermanns Ausstellung in Berlin polarisiert vor der Eröffnung mit Zensur-Debatte
Eine neue Ausstellung in Berlin sorgt für Aufsehen, noch bevor sie vollständig eröffnet ist. Unter dem Titel "Die Möglichkeit der Irrationalität" verwandelt die Schau Jan Böhmermanns satirische TV-Sendung "ZDF Magazin Royale" in ein immersives, realweltliches Erlebnis. Doch bereits im Vorfeld hat eine Kontroverse die ursprünglichen Pläne verändert – tägliche Konzerte wurden nach einem Streit über die Texte eines Künstlers abgesagt.
Die Ausstellung füllt Berlins Haus der Kulturen der Welt (HKW) mit mutigen, oft absurden Installationen. Eine aufblasbare, überlebensgroße Freiheitsstatue versinkt vor dem Gebäude in einem Teich – ein Symbol für das, was Böhmermann als "aktuellen Zustand der US-Demokratie" bezeichnet. Im Inneren erwarten Besucher eine Butterbüste des ehemaligen Kanzlers Helmut Kohl und ein Teleskop, das den Blick auf eine lebensgroße Figur von Kanzler Friedrich Merz bei der "Arbeit" freigibt.
Kuriositäten aus Politik und Wirtschaft säumen die Ausstellungsstücke: Eine Flasche Haarkur von Donald Trump steht neben Handtüchern mit aufgestickten Kaninchen – angeblich im Besitz des in Ungnade gefallenen Finanziers René Benko. Böhmermanns Team nennt diese Exponate "Trophäen der Schurken" und verbindet dabei Satire mit beißender Kritik.
Ursprünglich sollten tägliche Konzerte Teil der Schau sein, doch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer griff ein. Er forderte die Absage des Auftritts des Rappers Chefket am 7. Oktober, da dessen Songtexte möglicherweise antisemitische Inhalte enthielten. Böhmermann kam der Forderung nach, lud Chefket aus – und andere geplante Musiker sagten aus Solidarität ab. Damit blieb das Live-Programm der Ausstellung leer, während die Kerninstallationen bis zum 19. Oktober zu sehen sind.
In lässiger Kleidung führte Böhmermann persönlich durch die Eröffnung. Seine Regeln sind streng: Handys sind verboten, um digitale Kopien der Exponate zu verhindern. Das Verbot unterstreicht den Fokus der Ausstellung auf das physische, undokumentierte Erlebnis – keine Bildschirme, kein Teilen, nur direkte Auseinandersetzung.
Nun läuft die Schau ohne den geplanten musikalischen Teil, und weitere Auftritte sind ungewiss. Bis Mitte Oktober können Besucher noch die Installationen erkunden – von der versinkenden Lady Liberty bis zu Merz' "Dachbüro". Doch die Absage-Debatte hat die Aufmerksamkeit längst über die Kunst hinausgelenkt und Diskussionen über Zensur, Satire und die Grenzen dazwischen entfacht.






