Braunschweig feiert 75 Jahre Zentralrat der Juden mit einzigartiger Ausstellung
Catrin KabusJüdisches Leben in all seiner Vielfalt - 75 Jahre Zentralrat - Braunschweig feiert 75 Jahre Zentralrat der Juden mit einzigartiger Ausstellung
Eine neue Ausstellung in Braunschweig ehrt den 75. Geburtstag des Zentralrats der Juden in Deutschland – die einzige ihrer Art im Land. Die Schau würdigt die Rolle des Rates als politische, soziale und religiöse Stimme der jüdischen Gemeinden in ganz Deutschland.
Die Ausstellung geht über die üblichen Themen wie Holocaust oder wachsender Antisemitismus hinaus. Stattdessen rückt sie den weiteren Einfluss des Zentralrats auf die deutsche Gesellschaft in den Fokus – und seine Bemühungen, das jüdische Leben nach 1945 wiederaufzubauen.
Der Zentralrat wurde am 19. Juli 1950 in Frankfurt am Main gegründet. Ursprünglich diente er der Neuorganisation der jüdischen Gemeinden nach der Schoa und der Abwicklung von Wiedergutmachungsansprüchen. Im Laufe der Zeit entwickelte er sich zu einer zentralen Instanz für jüdische Rechte, Demokratie und Integration.
Heute vertritt der Rat 105 Gemeinden mit rund 100.000 Mitgliedern. Er hat maßgeblich geprägt, wie Deutschland seine Vergangenheit aufarbeitet, kämpft gegen Antisemitismus und fördert Projekte wie Triff einen Juden oder Jewrovision. Zu den Exponaten gehört auch ein persönlicher Gegenstand: eine Besamim-Dose, die Josef Schuster, der aktuelle Präsident des Zentralrats, für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hat.
Zu sehen ist unter anderem eine Replik eines Stolpersteins für Philipp Auerbach, einen frühen Vorsitzenden des Rates. Zudem werden Fotos der israelischen Athlet:innen gezeigt, die bei den Olympischen Spielen 1972 in München ermordet wurden. Die Schau beleuchtet auch Braunschweigs Verbindung zur jüdischen Geschichte – etwa durch die Würdigung von Bea Wyler, Deutschlands erster amtierender Rabbinerin.
Die Ausstellung würdigt die Führungspersönlichkeiten des Zentralrats und ihre Verdienste. Sie zeigt die Organisation nicht nur als politische Vertretung, sondern als Hüterin demokratischer Werte und als ethisches Zentrum einer offenen Gesellschaft.
Angesichts des Anstiegs antisemitischer Vorfälle seit dem 7. Oktober ist die Arbeit des Rates heute wichtiger denn je. Seine Rolle bei der Förderung des interreligiösen Dialogs und der Verteidigung der Prinzipien des Grundgesetzes bleibt zentral für seinen Auftrag.
Die Braunschweiger Ausstellung bietet einen seltenen Einblick in 75 Jahre Zentralrat der Juden. Sie präsentiert jüdisches Leben in Deutschland als lebendig und vielfältig – und nicht allein durch Verfolgung geprägt. Besucher:innen können nachvollziehen, wie der Rat Politik, Kultur und Erinnerungskultur geprägt hat – und weiterhin die Zukunft des Landes mitgestaltet.






