CDU leitet Parteiausschlüsse nach umstrittenem AfD-Bündnis in Hessen ein
Catrin KabusCDU leitet Parteiausschlüsse nach umstrittenem AfD-Bündnis in Hessen ein
Der CDU-Kreisverband Groß-Gerau hat Parteiausschlussverfahren gegen Mitglieder eingeleitet, die sich bei einer lokalen Abstimmung mit der AfD verbündet haben. Der Schritt folgt auf eine umstrittene Wahl in Biebesheim am Rhein, bei der eine gemeinsame CDU-AfD-Liste einem AfD-Kandidaten zu einem Sitz im Gemeinderat verhalf. Parteispitzen verurteilten die Zusammenarbeit als klaren Verstoß gegen die eigenen Statuten.
Der Konflikt entzündete sich bei der Wahl der ehrenamtlichen stellvertretenden Bürgermeister in Biebesheim am Rhein. CDU- und AfD-Vertreter reichten eine gemeinsame Kandidatenliste ein und brachen damit mit dem Vorschlag von SPD, Grünen und Freien Wählern. Als auf der ursprünglichen Liste Namen ohne Zustimmung standen, wurde die Sitzung kurz unterbrochen.
Nach der Pause überarbeiteten CDU und AfD ihren Vorschlag, woraufhin der AfD-Politiker Bernd Kahnert in den Vorstand gewählt wurde. Die CDU bezeichnete die gemeinsame Abstimmung später als "spontan und unabgestimmt" und betonte, sie verstoße gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss mit der rechtspopulistischen Partei.
Stefan Sauer, CDU-Kreisvorsitzender, erklärte die Ausschlussentscheidung für "eindeutig und nicht verhandelbar". Hessens CDU-Generalsekretär Leopold Born unterstützte den Schritt und forderte "sofortiges und entschlossenes" Handeln. Ihre Haltung spiegelt die wachsenden Bedenken gegen lokale Kooperationen mit der AfD wider.
Eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) ergab, dass in fast 19 Prozent von 5.000 Sachabstimmungen zwischen 2019 und 2024 andere Parteien direkt mit der AfD zusammengearbeitet haben. Besonders häufig kooperierten demnach fraktionslose Gemeinderäte und kleinere Parteien, wie die Untersuchung zeigt.
Mit dem disziplinarischen Vorgehen setzt die CDU ein klares Zeichen gegen lokale Bündnisse mit der AfD. Die Ausschlussverfahren werden nun über das weitere Schicksal der beteiligten Mitglieder entscheiden. Gleichzeitig unterstreicht die WZB-Studie, dass solche – oft umstrittenen – Kooperationen ein wiederkehrendes Problem in der deutschen Kommunalpolitik bleiben.






