Deutschland startet Privatisierung von Sefe mit Milliarden-Kapitalspritze und Fusionplänen
Herbert RennerDeutschland startet Privatisierung von Sefe mit Milliarden-Kapitalspritze und Fusionplänen
Deutschland treibt die Pläne zur Privatisierung von Sefe voran, der ehemaligen Gazprom-Tochter Gazprom Germania, die derzeit unter staatlicher Kontrolle steht. Im Rahmen des Prozesses ist eine erhebliche Kapitalerhöhung von 1,5 bis 2 Milliarden Euro vorgesehen. Gleichzeitig laufen weiterhin Diskussionen über die künftige Struktur des Unternehmens und mögliche Fusionen.
Parallel dazu hat die USA eine letzte einmonatige Sanktionen-Ausnahme für Naftna Industrija Srbije (NIS) verlängert, das staatlich gestützte serbische Ölunternehmen, das mehrheitlich in russischem Besitz steht. Die Entscheidung folgt auf eine zuvor gesetzte 45-Tage-Frist für Gazprom Neft, um seine Anteile am Unternehmen zu veräußern.
Die deutsche Bundesregierung hatte Sefe 2022 übernommen, nachdem der ursprüngliche Eigentümer Gazprom das Unternehmen im Zuge der Sanktionen aufgegeben hatte. Seither bereitet Berlin den Verkauf seiner Anteile vor. Nach den Regeln der Europäischen Kommission muss der Staat seinen Anteil bis Ende 2028 um mindestens 75 Prozent reduzieren.
Um die Privatisierung einzuleiten, plant Sefe eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1,5 bis 2 Milliarden Euro (umgerechnet etwa 1,8 bis 2,4 Milliarden US-Dollar). Im Anschluss daran soll der staatliche Anteil durch weitere Verkäufe schrittweise verringert werden. Das Unternehmen hat deutlich gemacht, dass es seine Kerngeschäftsbereiche nicht aufspalten wird, sondern die Vermögenswerte zusammenhält.
Neben der Privatisierung prüft Deutschland eine mögliche Fusion zwischen Sefe und Uniper, einem weiteren großen Gasimporteur. Zudem laufen Gespräche über die Präferenzen der Regierung und mögliche Auflagen, die sie für den Verkaufsprozess festlegen könnte.
In einer separaten Entwicklung hatte das US-Finanzministeriums (Office of Foreign Assets Control, OFAC) Gazprom Neft zunächst 45 Tage Zeit eingeräumt, um seine Anteile an NIS zu verkaufen. Nun wurde eine letzte einmonatige Ausnahmegenehmigung erteilt, die unmittelbare Sanktionen vorerst abwendet. Die Maßnahme betrifft den serbischen Energiesektor, in dem NIS eine zentrale Rolle bei der Ölförderung und -verarbeitung spielt.
In einem anderen Teil Europas erwägt Moldau unterdessen die Verstaatlichung ihres Gasversorgers Moldovagaz. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund eines anhaltenden Streits mit Russlands Gazprom über Lieferbedingungen und Schuldenzahlungen.
Die Privatisierung von Sefe markiert einen bedeutenden Wandel im deutschen Energiesektor, wobei die Regierung ihren Anteil in den kommenden vier Jahren schrittweise abbauen will. Die Kapitalerhöhung und eine mögliche Fusion mit Uniper könnten die Gasimportlandschaft des Landes neu gestalten.
Für NIS bietet die US-Ausnahmegenehmigung vorerst eine Atempause, doch die langfristige Zukunft der russisch kontrollierten Anteile bleibt ungewiss. Moldaus mögliche Verstaatlichung von Moldovagaz unterstreicht zudem die anhaltenden Energiespannungen in der Region.






