19 June 2026, 14:24

Die Linke streitet über Gehaltsgrenzen für Abgeordnete – zwischen Idealismus und Pragmatismus

Streit um Gehaltsdeckel in der Linkspartei

Die Linke streitet über Gehaltsgrenzen für Abgeordnete – zwischen Idealismus und Pragmatismus

In der Linken gibt es eine Debatte über die Gehälter ihrer Abgeordneten. Einige Mitglieder fordern nun strengere Obergrenzen, um sich stärker an den Werten der Arbeiterklasse zu orientieren. Die Diskussion hat unterschiedliche Auffassungen über Gerechtigkeit und politische Glaubwürdigkeit innerhalb der Partei offenbart.

Die Vorgängerorganisationen der Linken, wie die PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus), akzeptierten lange Zeit höhere Einkommen für ihre Mandatsträger. Viele sahen darin keinen Widerspruch zu ihren sozialistischen Grundsätzen, selbst wenn die Bezüge über denen durchschnittlicher Arbeitnehmer lagen.

Ines Schwerdtner und Jan van Aken haben öffentlich Position bezogen und verzichten im Rahmen einer internen Vereinbarung mit der Gewerkschaft Verdi auf einen Teil ihres Gehalts. Nun wollen sie, dass diese Gehaltsbegrenzung auf dem nächsten Parteitag für alle Abgeordneten der Linken verbindlich wird.

Frühere Spitzenpolitiker wie Lothar Bisky und Klaus Ernst gerieten in die Kritik, weil sie ihre Diäten mit zusätzlichen Parteimitteln aufstockten. Janine Wissler, ehemalige Parteivorsitzende, bezieht derzeit ein Bruttogehalt von 11.833,47 Euro monatlich – nach Abzügen bleiben ihr jedoch weniger als 4.100 Euro netto.

Gregor Gysi, eine prägende Figur der Partei, lehnt die Obergrenze ab. Er warnt, dass sie hochqualifizierte Kandidaten davon abhalten könnte, für die Linke zu kandidieren. Die Debatte erinnert an historische Vorbilder wie die strengen Gehaltsregelungen, die Enrico Berlinguer in den 1970er-Jahren für Abgeordnete der italienischen Kommunisten durchsetzte, um die moralische Konsistenz mit den Wurzeln in der Arbeiterbewegung zu wahren.

Der vorgeschlagene Gehaltsdeckel würde alle Mandatsträger der Linken verpflichten, auf einen Teil ihres Einkommens zu verzichten. Schwerdtner und van Akens Initiative zielt darauf ab, diese Regelung auf dem anstehenden Parteitag verbindlich festzuschreiben. Das Ergebnis könnte maßgeblich beeinflussen, wie die Partei künftig finanzielle Pragmatik mit ihren ideologischen Grundsätzen in Einklang bringt.

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