Energiewende in Gefahr: Unternehmen kämpfen um schnelle Netzzugänge für Ökostrom-Projekte
Catrin KabusEnergiewende in Gefahr: Unternehmen kämpfen um schnelle Netzzugänge für Ökostrom-Projekte
Ein Bündnis aus 13 Branchenverbänden hat einen dringenden Appell für schnellere Netzzugänge gestartet, um Projekte für erneuerbare Energien zu beschleunigen. Unter der Führung des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (BNE) warnt die Gruppe, dass überlange Wartezeiten und bürokratische Hürden den Fortschritt blockieren. In ihrer unter dem Titel 'Sicherer Netzzugang – Zukunft ermöglichen' veröffentlichten Stellungnahme prangern sie systemische Versäumnisse bei der Anbindung sauberer Energien an das Stromnetz an.
Laut der Erklärung erhielten 80 Prozent der Anträge auf Netzanschluss bei Netzbetreibern zuvor keine Rückmeldung. Die Unternehmen stehen in der Kritik, Anträge nur zögerlich zu bearbeiten und durch obstruktives Verhalten Projekte sowie Unternehmen im Stich zu lassen. Robert Busch, Geschäftsführer des BNE, betonte die Notwendigkeit einer beschleunigten Digitalisierung der Netze und die zügige Umsetzung der Maßnahmen aus dem Dialog 'Netzanschlüsse beschleunigen'.
Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) argumentiert, dass der Netzausbau vor und nicht erst nach der Energiewende erfolgen müsse. Ohne verlässliche Infrastruktur könnten neue Projekte nicht vorankommen. Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) berichtet von extremen Verzögerungen: So warten Mieterstrommodelle bis zu 501 Tage auf einen Netzanschluss. Einzelfälle verdeutlichen das Problem: Der Herdhersteller Leda kann trotz eines lokalen Netzbetreibers, der allein 40 Megawatt für Batteriespeicher reserviert hat, keinen Anschluss für seine sieben Megawatt starke Elektroofen-Anlage sichern. Ein Ausbau der örtlichen Umspannstation ist erst für 2032 geplant – bis dahin bleibt Leda der Zugang zu grünem Strom verwehrt. Gleichzeitig kämpft der Handelsverband Deutschland (HDE) damit, in Supermärkten Solaranlagen und Ladesäulen für Elektroautos anzuschließen, weil die Netzkapazitäten begrenzt sind.
Die Verbände fordern klare Rahmenbedingungen, darunter schnellere Genehmigungsverfahren und garantierte Netzanschlüsse. Ohne diese Änderungen, so ihre Warnung, bleibe die Energiewende in weiter Ferne.
Der Appell setzt Politiker und Netzbetreiber unter Druck, die seit Langem bekannten Engpässe endlich zu beheben. Die Verzögerungen beim Netzzugang hindern Unternehmen daran, auf erneuerbare Energien umzusteigen, und bremsen den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen aus. Die Vorschläge des Bündnisses zielen darauf ab, diese Hindernisse abzubauen – doch erst die Umsetzung wird zeigen, ob der Fortschritt tatsächlich Fahrt aufnimmt.