EU-Pläne für Fahrzeugkennzeichnung sorgen für massive Kritik im Autohandel
Gerdi BaumEU-Pläne für Fahrzeugkennzeichnung sorgen für massive Kritik im Autohandel
Der Plan der Europäischen Kommission, eine standardisierte Fahrzeugkennzeichnung für Neu- und Gebrauchtwagen einzuführen, stößt auf scharfe Kritik. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) bezeichnet den Vorschlag als undurchführbar und warnt vor schweren Folgen für Händler und Käufer.
Nach den neuen Regeln müssten auch Gebrauchtwagen verbindliche Angaben zu Kraftstoffverbrauch und Emissionen tragen – eine Forderung, die die Branche bei älteren Modellen für unrealisierbar hält. Die Bedenken des ZDK konzentrieren sich auf die technischen und rechtlichen Herausforderungen, die gleiche Standards für Gebrauchtfahrzeuge mit sich bringen würden. Viele ältere Autos wurden ursprünglich nach dem veralteten NEDC-Prüfzyklus (Neuer Europäischer Fahrzyklus) zertifiziert, während neuere Modelle dem strengeren WLTP-Verfahren (Weltweit harmonisiertes Prüfverfahren für leichte Nutzfahrzeuge) unterliegen. Händlern fehlen jedoch die Mittel, um zwischen diesen Standards umzurechnen – eine genaue Kennzeichnung sei daher unmöglich.
Ein weiteres zentrales Problem ist das Fehlen verlässlicher Daten bei nachgerüsteten Gebrauchtwagen. Viele Fahrzeuge auf dem Secondhand-Markt weichen durch Umbauten von ihren ursprünglichen Spezifikationen ab, was Lücken in den Verbrauchs- und Emissionsdaten hinterlässt. ZDK-Präsident Thomas Peckruhn warnte, dass eine Pflicht zur Einhaltung der Vorschriften Händler dazu bringen könnte, ältere Modelle komplett aus ihrem Sortiment zu nehmen – mit der Folge eines schrumpfenden Gebrauchtwagenmarkts.
Der Verband kritisiert zudem unklare Zuständigkeiten. In einem Acht-Punkte-Positionspapier fordert der ZDK eine klare Trennung der Verantwortlichkeiten zwischen Herstellern, Online-Plattformen und Händlern. Zudem wird eine einheitliche Marktüberwachung in der gesamten EU angemahnt, um unterschiedliche Umsetzungspraxen zu vermeiden.
Peckruhn appellierte an das Bundeswirtschaftsministerium, sich einzuschalten und auf rechtssichere sowie praxistaugliche Regelungen hinzuwirken. Der ZDK besteht darauf, dass die Kennzeichnungspflicht auf Neufahrzeuge beschränkt bleiben und die geplante verpflichtende Angabe zum Batteriezustand bei gebrauchten Elektroautos gestrichen werden sollte.
Ziel des Kommissionsvorschlags ist es, die Richtlinie 1999/94/EG zu ersetzen und Verbrauchern mehr Transparenz zu bieten. Doch der ZDK argumentiert, dass die Ausweitung der Regeln auf Gebrauchtwagen mehr Probleme schafft als löst. Die geplante Verordnung könnte den Gebrauchtwagenhandel in der EU grundlegend verändern. Bei einer Umsetzung in der vorgeschlagenen Form drohen Händlern Compliance-Schwierigkeiten, während Käufer weniger Auswahl bei älteren Modellen hätten. Die Warnungen des ZDK zeigen, wie groß die Kluft zwischen politischen Zielsetzungen und der praktischen Umsetzbarkeit im Autohandel ist.






