Flamingos vs. Luxusresorts: Albaniens umstrittenes Milliardenprojekt im Vjosa-Delta
Alex TintzmannFlamingos vs. Luxusresorts: Albaniens umstrittenes Milliardenprojekt im Vjosa-Delta
Albanien, ein kleines Balkanland an der Adria, steht selten im globalen Rampenlicht. Doch aktuelle Ereignisse haben das Land in den Fokus gerückt: Demonstranten mit rosaroten Flamingo-Ausschnitten auf einer albanischen Insel sorgen weltweit für Aufmerksamkeit, während sich im Hintergrund politische und wirtschaftliche Kontroversen entfalten.
Das Vjosa-Narta-Delta, ein Rückzugsort für Flamingos, Pelikane und Schildkrötenbrutstätten, wurde 2023 zu Europas erstem Nationalpark für Wildflüsse erklärt. Nun plant Jared Kushner, der Schwiegersohn des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, auf der geschützten Insel ein Milliardenprojekt mit Luxusresorts. Die albanischen Behörden haben daraufhin eine Antikorruptionsermittlung gegen seine Vereinbarung mit der Regierung in Tirana eingeleitet.
Die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama hatte einem mit Kushner verbundenen Unternehmen zuvor den Status eines „strategischen Investors“ verliehen. Damit seien laut Berichten Steuern erlassen, Ausschreibungen umgangen und Umweltprüfungen übersprungen worden. Albanien, ein mehrheitlich muslimisches, aber säkulares Land und NATO-Mitglied, bemüht sich oft, seine Loyalität zu westlichen Verbündeten unter Beweis zu stellen.
Das Land beherbergt zudem Tausende Mitglieder der Mujahedin-e Chalq (MEK), einer iranischen Exilgruppe, die sich gegen Teheran stellt. Rama unterstützt die MEK öffentlich und bezeichnet ihre Angehörigen als Opfer iranischer Verfolgung. Die EU erkennt die Gruppe jedoch nicht als legitimen politischen Akteur an und lehnt eine Unterstützung ab.
Die Ermittlungen zu Kushners Deal werfen Fragen zu Transparenz und Umweltschutz auf. Die Präsenz der MEK und Ramas Haltung zur Gruppe fügen Albaniens komplexer politischer Landschaft eine weitere Ebene hinzu. Diese Entwicklungen zeigen, wie das Land versucht, innere Interessen mit internationalen Bündnissen in Einklang zu bringen.






