Florentina Holzinger feiert Nitsch mit spektakulärem Pfingstspiel in Wien
Alex TintzmannFlorentina Holzinger feiert Nitsch mit spektakulärem Pfingstspiel in Wien
Florentina Holzinger brachte ihre kühne Vision nach Wien – mit einem Pfingstspiel im Wiener Eislaufverein. Die Aufführung ehrte das provokante Erbe Hermann Nitschs, während sie extreme Körperlichkeit mit modernster Technologie verband. Das Publikum wurde anschließend nach Schloss Prinzendorf entführt, dem historischen Zentrum von Nitschs Orgien-Mysterien-Theater, wo ein Spektakel der besonderen Art stattfand.
Der Abend begann mit Holzinger und ihrem rein weiblichen Ensemble, das im Schlosshof ein subversives „Letztes Abendmahl“ inszenierte. Dreizehn Frauen schwebten regungslos in der Luft – ein faszinierendes Bild von Stille und Verletzlichkeit. Dieser Moment zarter Schönheit stand in scharfem Kontrast zu dem Chaos, das folgte.
Eine nackte Performerin ließ sich von der Fassade des Intercontinental Hotels abseilen, eine Reminiszenz an die waghalsige Choreografie von Trisha Brown. Gleichzeitig entfaltete sich Holzingers „Malaktion“ mit einer gekreuzigten Figur und schwärmenden Drohnen – eine direkte Anspielung auf Nitschs rituellen Stil. Die Vorstellung steigerte sich, als Autos, ein Motorrad und schließlich ein Monstertruck die Bühne übernahmen. Letzterer zermalmte einen Panzer – ein dramatischer Appell für Frieden, während ein Fallschirmspringer mit einem taubenförmigen Helm sanft zu Boden schwebte.
Technik und Körperlichkeit verschmolzen im gesamten Stück: Drohnen, Fahrzeuge und Instrumente wurden zu Erweiterungen der Performerkörper. Der Höhepunkt zeigte Holzinger und ihr Ensemble, wie sie sanft in der Luft schwebten, über dem Hof schwebend – ein letztes, beklemmendes Bild, das dem Publikum im Gedächtnis blieb.
Holzingers Produktion sprengte Grenzen, indem sie Nitschs avantgardistische Traditionen mit modernem Spektakel verband. Der Einsatz von Maschinen, Luftakrobatik und roher Körperlichkeit markierte eine mutige Neudeutung des rituellen Theaters. Die Aufführung wird wohl für ihre Unerschrockenheit in Erinnerung bleiben – und für ihre schonungslose Erforschung von Kunst, Gewalt und Transzendenz.






