Franz Xaver Kroetz wird 80 – ein Leben zwischen Genie und Rückzug
Herbert RennerFranz Xaver Kroetz wird 80 - mehr als nur 'Baby Schimmerlos' - Franz Xaver Kroetz wird 80 – ein Leben zwischen Genie und Rückzug
Franz Xaver Kroetz, einer der einflussreichsten Dramatiker Deutschlands, wird am 25. Februar 80 Jahre alt. Mit über 50 veröffentlichten Stücken hat er das moderne Theater über Jahrzehnte geprägt. Doch trotz seines Ruhms meidet er die Öffentlichkeit, lebt zurückgezogen und gibt nur selten Interviews.
Schon als Jugendlicher begann Kroetz zu schreiben und brach später das Max Reinhardt Seminar in Wien ab, um in München Gelegenheitsjobs anzunehmen. Sein Durchbruch gelang ihm 1971, obwohl bereits seine frühen Werke wie Katzelmacher (1966), Sauhund und Wachse oder weiche Themen wie soziale Ausgrenzung, den Kampf der Arbeiterklasse und alltägliche Gewalt in Bayern behandelten.
Im Laufe der Jahre zerstörte er rund ein Dutzend eigener Stücke – einige verbrannte er betrunken im Garten seiner Eltern. Dennoch blühte seine Karriere auf, und er erhielt renommierte Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz und den Bertolt-Brecht-Preis der Stadt Augsburg.
Obwohl er vor allem als Baby Schimmerlos in der Kultserie Kir Royal bekannt wurde, hat sich Kroetz largely von der Schauspielerei ferngehalten. Er mag es nicht, sich von Regisseuren etwas vorschreiben zu lassen, und steht nur selten vor der Kamera. Stattdessen konzentriert er sich auf das Schreiben und Inszenieren und behält die volle Kontrolle über sein Werk.
Im vergangenen Sommer feierte seine Adaption von Franz von Kobells Volksstück Die Geschichten vom Brandner Kaspar am Münchner Residenztheater großen Erfolg. Die Produktion unterstrich sein anhaltendes Talent, das Publikum mit scharfsinnigen, gesellschaftskritischen Erzählungen zu fesseln.
Kroetz spricht offen über sein Privatleben: Er räumt ein, kein guter Vater für seine ersten beiden Kinder gewesen zu sein, glaubt aber, sich bei den späteren verbessert zu haben. Ansonsten bleibt er verschlossen und gibt Interviews nur, wenn er sie für notwendig hält – sein 80. Geburtstag zählt nicht dazu.
Sein Vermächtnis erstreckt sich über Theater, Fernsehen und Literatur, geprägt von kompromissloser Ehrlichkeit und einem tiefen Blick für marginalisierte Stimmen. Seine Stücke werden weiterhin aufgeführt und beweisen seinen anhaltenden Einfluss auf die deutsche Kultur. Auch mit 80 bleibt er eine stille, aber unbestritten wichtige Figur.






