Fußball-WM entfacht Deutschlands flüchtigen Nationalstolz – doch die Skepsis bleibt
Catrin KabusFußball-WM entfacht Deutschlands flüchtigen Nationalstolz – doch die Skepsis bleibt
Deutschlands Verhältnis zum Nationalstolz ist seit jeher ambivalent. Viele Bürger zögern, Flaggen zu zeigen oder patriotische Feiertage offen zu begehen. Doch große Fußballturniere lösen im Land immer wieder eine vorübergehende Welle der Begeisterung aus.
Alle vier Jahre entfacht die Weltmeisterschaft eine neue patriotische Euphorie. Einzelhändler füllen ihre Regale mit schwarzem, rotem und goldenem Merchandise, während Fans sich auf die Unterstützung der Nationalmannschaft vorbereiten. Selbst im Privaten – etwa wenn der jüngste Sohn den Familienwagen mit Deutschlandflaggen schmückt – spiegelt sich diese flüchtige Begeisterung wider.
Während der WM 2006 war die patriotische Stimmung besonders ausgeprägt. Eine spätere Arte-Dokumentation deutete an, dass diese Phase indirekt den Aufstieg von Bewegungen wie Pegida und der AfD begünstigt haben könnte. Dennoch vermeiden viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bewusst nationalistische Rhetorik.
Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel nutzte Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“ nur selten. 2013, am Wahlabend, nahm sie Hermann Gröhe sogar eine geschwenkte Deutschlandflagge ab. Ihre Geste unterstrich die Zurückhaltung, mit der viele Politiker offene Nationalbekundungen behandeln.
Die Weltmeisterschaft bleibt dennoch ein kurzer, aber sichtbarer Moment kollektiven Nationalstolzes. Spiele der deutschen Mannschaft wecken großes Interesse und schaffen vorübergehend Einheit. Doch die grundsätzliche Skepsis gegenüber patriotischen Symbolen prägt nach wie vor den deutschen Alltag.






