Gewalt in Zügen und Bahnhöfen nimmt 2024 zu – doch wo ist die Angst größer als die Gefahr?
Herbert RennerGewalt in Zügen und Bahnhöfen nimmt 2024 zu – doch wo ist die Angst größer als die Gefahr?
Neue Zahlen für 2024 zeigen einen Anstieg von Gewalt- und Sexualdelikten in Zügen und an deutschen Bahnhöfen. Die Daten verdeutlichen auch, wo sich Menschen am meisten bedroht fühlen – und wo Straftaten tatsächlich stattfinden. Doch beides deckt sich nicht immer.
Öffentliche Räume, darunter Verkehrsknotenpunkte, machten im vergangenen Jahr fast drei von zehn Gewaltdelikten aus. Dennoch erstrecken sich Sicherheitsbedenken oft auf Orte, an denen Straftaten seltener vorkommen. Die aktuellen Statistiken bestätigen, dass Gewalt- und Sexualdelikte in Zügen und an Bahnhöfen 2024 zugenommen haben. Solche Vorfälle häufen sich tendenziell in Städten und weniger in ländlichen Gebieten, wo es mehr Gelegenheiten gibt und die soziale Kontrolle schwächer ausgeprägt ist.
Fast zwei von zehn Gewaltdelikten ereigneten sich 2023 in Privathaushalten. Gleichzeitig fanden knapp 30 Prozent im öffentlichen Raum statt. Junge Männer bleiben in den erfassten Kriminalstatistiken die häufigsten Täter.
Trotz dieser Zahlen spiegeln Ängste vor Kriminalität nicht immer die Realität wider. sogenannte Angsträume – also Orte, die aufgrund von Vermüllung, Vandalismus, Obdachlosigkeit oder sozialer Unordnung als unsicher wahrgenommen werden – lösen häufig Besorgnis aus. Besonders nachts und allein in schlecht beleuchteten oder menschenleeren öffentlichen Bereichen fühlen sich Menschen am verletzlichsten.
Bahnhöfe stachen als Orte hervor, an denen tatsächliche Kriminalitätsraten und öffentliche Ängste übereinstimmen. Doch viele Orte, die nach Einbruch der Dunkelheit gemieden werden, tauchen in offiziellen Listen der Kriminalitätsschwerpunkte gar nicht auf.
Die Zahlen von 2024 unterstreichen eine Kluft zwischen den Orten, an denen Straftaten begangen werden, und denen, an denen sich Menschen bedroht fühlen. Zwar haben Gewaltdelikte in Verkehrsnetzen zugenommen, doch bleiben städtische öffentliche Räume ein übergeordnetes Problem. Die Behörden stehen nun vor der Herausforderung, sowohl reale Risiken als auch die Faktoren anzugehen, die das öffentliche Unbehagen verstärken.






