08 March 2026, 14:26

Gockels radikaler Wallenstein trifft auf reale Dramatik in München

Ein lebendiges Stadtlandschaftsbild von Wassily Kandinsky, das eine dynamische Mischung aus Blauen, Grünen, Gelben und Roten in verschiedenen Formen zeigt.

Gockels radikaler Wallenstein trifft auf reale Dramatik in München

Jan-Christoph Gockels kühne Inszenierung von Schillers Wallenstein dominierte die Münchner Kammerspiele. Die siebenstündige Produktion verband Marionettentheater, Kühenszenen und scharfe politische Parallelen zu unserer Zeit. Währenddessen spielte sich vor dem Theater eine reale Dramatik ab: Der Flughafen München wurde wegen einer Drohnenwarnung gesperrt – eine unheimliche Echo zu den düsteren Themen des Stücks. Der Abend begann mit einer überraschenden Wendung. Der russische Künstler Serge eröffnete das Programm mit einer pointierten Vorlesung über Jewgeni Prigoschin, bekannt als "Putins Koch". Mit Humor und einem Harry-Potter-Zauber setzte er den Ton für einen Abend, an dem Geschichte und moderne Konflikte aufeinandertrafen. Die Inszenierung selbst war ein Stilgemisch. Schillers Text wurde stark gekürzt und mit Prologen, Epilogen sowie einer hoffnungsvollen Passage von Swetlana Alexijewitsch verwoben. An einer langen Küchenzeile kochte das Ensemble und inszenierte Wallensteins Lager mit roher Energie. Später verwandelten sich dieselben Schauspieler in Bauern und Soldaten – ihre struppigen Bärte und weiten Schritte verankerten die Handlung in einem rauen Realismus. Ein prägnanter Moment entstand durch den Einsatz einer Marionettenvorrichtung für den Schauspieler Samuel Koch. Zwar nur kurz, ermöglichte es Koch, in Wallensteins Tod die Arme zu bewegen und zwei bewusste Schritte zu machen. Die Liebesgeschichte zwischen Wallensteins Tochter und Max Piccolomini hingegen spielte sich vor dem Hintergrund überzeichneter, fast komischer Figuren ab. Der Titel der Produktion, Das Schlachtmahl in sieben Gängen, deutete bereits die Struktur an. Die Geschichten Wallensteins und Prigoschins wurden in einen Dialog gesetzt und schufen so eine unmittelbare Verbindung zu den heutigen Kriegsökonomien. Das Wagner-Motto "Unser Geschäft ist der Tod – und das Geschäft floriert" gewann an Brisanz, als sich die Nachricht von der Flughafensperrung verbreitete. Gockels Wallenstein hinterließ mit seiner gewagten Mischung aus Theater, Politik und Spektakel einen bleibenden Eindruck. Die Verbindung von historischem Drama und modernen Bezügen traf besonders an diesem Abend ins Mark, als reale Spannungen die Themen des Stücks widerspiegelten. Ob Prigoschins Schicksal die Inszenierung direkt prägte, lässt sich offiziell nicht belegen – doch die Parallelen waren unübersehbar.

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