Golfkonflikt droht mit Preisschock – Ökonom Truger fordert radikale Reformen
Herbert RennerGolfkonflikt droht mit Preisschock – Ökonom Truger fordert radikale Reformen
Deutschlands führender Wirtschaftsexperte, Achim Truger, warnt, dass der eskalierende Golfkonflikt einen schweren Preisschock auslösen und die Weltwirtschaft in eine neue Krise stürzen könnte. Er fordert nun unverzügliches Handeln, darunter grundlegende Reformen der Schuldenregeln sowie gezielte Unterstützungsmaßnahmen, um eine unkontrollierbare Inflationsspirale zu verhindern.
Seine Vorschläge kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Europäische Zentralbank (EZB) mögliche Zinserhöhungen für 2026 ankündigt – aus Sorge, frühere Fehler zu wiederholen, als zögerliches Handeln die Inflation auf über 10 Prozent hochschnellen ließ. Truger plädiert für eine abgestimmte makroökonomische Reaktion, beginnend mit der Aussetzung der strengen deutschen Schuldenbremse. Sein Argument: Die Notfallklausel müsse aktiviert werden, um zeitlich befristete Hilfen zu finanzieren – damit die Regierung schnell handeln kann, ohne die langfristige Staatsverschuldung zu verschärfen.
Um eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern, schlägt er eine gemeinsame Initiative von Regierung und Sozialpartnern vor. Dazu gehöre ein steuer- und abgabenfreier Inflationsausgleichsbonus, der einmalige Zahlungen statt dauerhafter Lohnerhöhungen fördern soll.
Bei den Energiepreisen regt Truger die Wiedereinführung von Preisdeckeln für Gas, Öl und Strom an. Diese sollen übermäßige Preissprünge begrenzen, ohne Anreize zum Sparen zu untergraben. Subventionen würden sich dabei auf den Grundbedarf konzentrieren, um breite Finanzspritzen zu vermeiden, die die Inflation weiter anheizen könnten.
Auf EU-Ebene plädiert er für Unterstützungsmechanismen zugunsten finanziell schwächerer Mitgliedstaaten. So könnten Länder, die die Krise nicht aus eigener Kraft bewältigen können, in eine gemeinschaftliche Lösung eingebunden werden.
Sein Plan zielt auch darauf ab, den Druck auf die EZB zu verringern. Durch gezielte fiskalpolitische Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung ließe sich vermeiden, dass die Notenbank unnötige Zinserhöhungen beschließt, die das Wirtschaftswachstum zusätzlich belasten könnten.
Die Warnung stützt sich auf Lehren aus dem Ukraine-Krieg 2022, als die Inflation nach anfänglicher Unterschätzung explodierte und die EZB zu drastischen Zinsanhebungen zwang. Im Gegensatz dazu hatte die Corona-Pandemie gezeigt, wie schnelle Maßnahmen – etwa Zinssenkungen und Anleihenkäufe – die Wirtschaft stabilisieren können.
Trugers Konzept vereint kurzfristige Entlastung mit langfristiger Stabilität. Wird es umgesetzt, könnte es Haushalte und Unternehmen vor explodierenden Kosten schützen und eine Wiederholung früherer Inflationsschocks verhindern. Ob dies gelingt, hängt nun davon ab, ob die Politik handelt, bevor sich die Krise weiter verschärft.






