Herrenschneiderhandwerk und Schaustellerkultur werden zu deutschen Kulturschätzen
Herbert RennerHerrenschneiderhandwerk und Schaustellerkultur werden zu deutschen Kulturschätzen
Deutschland hat zwei neue Traditionen in seine Liste der anerkannten immateriellen Kulturschätze aufgenommen. Die Kultusministerkonferenz und die Deutsche UNESCO-Kommission spürten dem handwerklichen Herrenschneiderhandwerk sowie der Schaustellerkultur auf Volksfesten offizielle Anerkennung zu. Gleichzeitig sorgte eine umstrittene Entscheidung dafür, dass ein Übersetzungsprojekt für palästinensische Autor:innen aus der Förderliste Berlins gestrichen wurde.
Das traditionelle Herrenschneiderhandwerk wurde für seine kulturelle Bedeutung gewürdigt – insbesondere für seine Präzision, das handwerkliche Erbe und die Bewahrung alter Techniken. Damit reiht es sich ein in bereits anerkannte Bräuche wie die Ostseefischerei, das Bolzplatz-Fußballspiel oder die Sankt-Martins-Umzüge im Rheinland.
Auch die Schaustellerkultur auf Volksfesten fand Aufnahme in die Liste. Die lebendige Tradition mit ihren unterhaltsamen Darbietungen und historischen Wurzeln gilt nun als schützenswert. Hingegen verfehlte die SPD-Sommerfest-Bratwurst diese Ehre.
In einem separaten Schritt strich Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur, ein Übersetzungsprojekt für palästinensische Schriftsteller:innen aus dem Berliner Hauptstadtkulturfonds. Weimers Entscheidung folgt eigenen Kriterien, was als kulturell wertvoll gilt. Die Streichung wirft Fragen nach den Prioritäten bei der Kulturförderung auf.
Mit den Neuzugängen umfasst die deutsche Liste immaterieller Kulturgüter nun 148 Einträge. Das Herrenschneiderhandwerk und die Schaustellerkultur stehen damit neben anderen geschützten Traditionen. Die Ablehnung des palästinensischen Übersetzungsprojekts zeigt jedoch, wie umstritten die Vergabe von Fördergeldern und der Umgang mit kulturellem Erbe bleiben.






