Mindestlohn hilft Geringverdienern – doch Armut bleibt ein großes Problem
Gerdi BaumMindestlohn hilft Geringverdienern – doch Armut bleibt ein großes Problem
Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) untersucht die Auswirkungen von Mindestlohnerhöhungen auf die Armutsquote. Zwar haben höhere Löhne einigen Geringverdienern geholfen, doch der Gesamteffekt auf die Armutsbekämpfung fällt offenbar begrenzt aus. Die Ergebnisse werfen Fragen auf, wie wirksam Mindestlohnregelungen bei der Bewältigung sozialer Herausforderungen tatsächlich sind.
Die Einführung des Mindestlohns senkte zunächst das Armutsrisiko für Beschäftigte mit einem Stundenlohn unter 12 Euro. Ihre Gefährdungsquote sank um 5,5 Prozentpunkte – ein klarer Vorteil für die am schlechtesten bezahlten Arbeitnehmer. Befürworter der Politik verweisen auf diese Einkommenssteigerungen als zentralen Erfolg.
Doch das Gesamtbild fällt weniger positiv aus. Eine Anhebung des Mindestlohns auf 14,60 Euro bis 2027 würde die nationale Armutsquote laut IW nur um 0,2 Prozentpunkte verringern. Selbst eine Schwelle von 15 Euro hätte kaum spürbare Auswirkungen auf die Armut im Land.
Kritiker argumentieren, dass höhere Arbeitskosten Unternehmen dazu veranlassen, weniger Personal einzustellen. Zudem warnen sie, dass die Auswirkungen auf die Rentenansprüche von Vollzeitbeschäftigten "sehr begrenzt" sein könnten. Unterdessen stieg die Armutsgefährdungsquote in Deutschland im Folgejahr auf 16,3 Prozent – ein Zeichen dafür, dass tiefgreifendere wirtschaftliche Belastungen bestehen bleiben.
Die Studie zeigt: Zwar verbessern Mindestlohnerhöhungen die Einkommen einiger Beschäftigter, doch sie tragen wenig zur Bekämpfung der Armut im Großen bei. Angesichts der nur moderaten Rückgänge bei den Gefährdungsquoten könnten Politiker zusätzliche Maßnahmen in Betracht ziehen müssen. Die Ergebnisse unterstreichen zudem anhaltende Bedenken hinsichtlich der Beschäftigungslage und der langfristigen finanziellen Absicherung von Niedriglohnarbeitnehmern.






