03 March 2026, 14:15

Neuer DBK-Vorsitzender: Heiner Wilmer übernimmt in turbulenter Kirchenzeit

Ein Schwarz-Weiß-Foto eines Mannes in Priesterkleidung, der eine weiße Robe mit schwarzem Kragen und Manschetten und einen schwarzen Hut mit einer weißen Feder trägt, mit gefalteten Händen und einem ernsten Gesichtsausdruck.

Neuer DBK-Vorsitzender: Heiner Wilmer übernimmt in turbulenter Kirchenzeit

Bishop Heiner Wilmer aus Hildesheim wurde zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Der 64-Jährige setzte sich bei der Frühjahrstagung in Würzburg durch und folgt damit Bischof Georg Bätzing aus Limburg nach, der das Amt sechs Jahre lang innehatte. Wilmer gilt als Brückenbauer zwischen konservativen und reformorientierten Kräften innerhalb der Kirche.

Wilmers Wahl fällt in eine Phase, in der die katholische Kirche in Deutschland weiterhin mit langjährigen Herausforderungen ringt. 2021 warf ihm eine ehemalige Schülerin vor, einen Fall sexueller Belästigung während seiner Zeit als Schulleiter des Gymnasiums Leoninum (1998–2007) unzureichend behandelt zu haben. Der beteiligte Lehrer gestand nach Konfrontation, eine 15-jährige Schülerin belästigt zu haben. Wilmer räumte später Versäumnisse in seiner Reaktion ein und erklärte, er würde heute anders handeln.

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Seit diesem Fall hat die Kirche in Deutschland Reformen eingeleitet, um Diskriminierung und Missbrauch zu bekämpfen. Dazu zählen aktualisierte Arbeitsrichtlinien, die Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung verbieten, Leitlinien für Schulen zum Thema sexuelle Identität sowie eine bessere Opferbetreuung in Bistümern wie Paderborn. Zudem wurden externe Expertengremien und unabhängige Missbrauchskommissionen eingerichtet, ergänzt durch Initiativen wie die Dunkelfeld-Initiative, die sich um ungemeldete Fälle kümmert. Kritiker monieren jedoch, dass die Fortschritte ungleichmäßig verlaufen und der Widerstand des Vatikans systemische Änderungen – etwa bei Zölibat oder Frauenweihe – bremst.

Wilmer selbst setzt sich für eine Modernisierung der katholischen Sexualmoral ein, darunter die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Sein Bistum Hildesheim erprobt bereits Führungsmodelle mit paritätischer Besetzung, in denen Frauen leitende Positionen einnehmen. Diese Ansätze unterstreichen seinen Ruf als Vermittler in einer tief gespaltenen Kirche.

Der neue Vorsitzende übernimmt sein Amt in einer Phase anhaltender Debatten über die Zukunft der Kirche. Seit 2021 gab es zwar strukturelle Reformen, doch grundlegende Fragen bleiben ungelöst. Wilmers Führung wird maßgeblich prägen, wie die deutschen Bischöfe diese Spannungen in den kommenden Jahren bewältigen.