Oldenburgs dunkles Erbe: Wie eine NS-Propagandistin die Stadt bis heute spaltet

Herbert Renner
Herbert Renner
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Ein Schwarz-Weiß-Plakat mit einem Mann in einem Helm mit einem Nazi-Symbol, begleitet von einem Text, der wahrscheinlich eine Propagandabotschaft enthält.Herbert Renner

Oldenburgs dunkles Erbe: Wie eine NS-Propagandistin die Stadt bis heute spaltet

Ausstellung in Oldenburg beleuchtet das umstrittene Leben der NS-Propagandistin Edith Ruß

Eine Ausstellung in Oldenburg setzt sich mit dem umstrittenen Leben von Edith Ruß auseinander, einer NS-Propagandistin, deren Vergangenheit in lokalen Debatten wiederaufgeflammt ist. Die Schau im Haus für Medienkunst zeigt ihre Originalartikel und Presseausweise sowie die Geschichten zweier weiterer Frauen – eine Widerstandskämpferin und eine jüdische Opferin. Die Veranstalter betonen, dass die Ausstellung die NS-Vergangenheit der Stadt aufarbeiten soll, vor allem angesichts wachsender Sorgen über den heutigen Rechtsextremismus.

Die Ausstellung zeichnet Ruß' Karriere als Journalistin bei der Staatszeitung nach, einer NS-nahen Zeitung, die vom Isensee Verlag GmbH herausgegeben wurde. Zu ihren Aufgaben gehörte auch die Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung für ihren Vorgesetzten, Herbert Heitz, während der Entnazifizierungsverfahren. Diese Täuschung flog später auf und wurde in einer Biografie erneut thematisiert, was Zweifel an ihren Nachkriegs-Behauptungen einer Läuterung aufkommen ließ.

Ihre spätere Tätigkeit als Sonderpädagogin wird von Oldenburgs CDU und FDP als Beleg dafür angeführt, dass sie sich vom Nationalsozialismus distanziert habe. Doch der Historiker Joachim Tautz widerspricht dieser Darstellung und bezeichnet sie als "überzeugte Nationalsozialistin", deren spätere Karriere ihre Vergangenheit nicht tilge. Die Ausstellung thematisiert zudem ihren unerklärlichen Reichtum und ihre spätere Verurteilung wegen großangelegter Steuerhinterziehung.

Die Schau stellt Ruß' Leben den Biografien von Traute Lafrenz, einer Widerstandskämpferin, und Erna Gellert, einem jüdischen Opfer, gegenüber, um zu zeigen, dass Widerstand gegen das Regime möglich war. Allerdings erwähnt die Ausstellung nicht die Verbindung des Isensee Verlags zur Staatszeitung oder die im Eröffnungstext der Institution fehlende Aufarbeitung. Der Verlag hat sich seit Veröffentlichung der Biografie nicht öffentlich zu seiner Rolle bei der Zeitung oder seinen NS-Verstrickungen geäußert.

Das Haus für Medienkunst hat sich von Ruß distanziert und die Ausstellung als "Abschluss" der Auseinandersetzung mit ihrem Erbe bezeichnet.

Die Schau erscheint zu einer Zeit, in der Oldenburg mit seiner historischen NS-Vergangenheit ringt – besonders vor dem Hintergrund des erstarkten Rechtspopulismus. Die Veranstalter betonen, sie sei ein notwendiger Schritt, um lokale Mitverantwortung aufzuarbeiten. Kritiker verweisen hingegen auf offene Fragen zu Ruß' Vermögen, dem Schweigen des Verlags und den Grenzen der Nachkriegs-Versöhnung.

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