Orangene Bänke gegen Gewalt: Warum sie immer öfter Ziel von Hass werden
Orangene Bänke als Symbol gegen geschlechtsspezifische Gewalt werden in Deutschland zunehmend zur Zielscheibe
In Städten bundesweit sind orangene Bänke aufgetaucht – ein Zeichen im Rahmen der UN-Kampagne Orange the World gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Doch diese Installationen und die Gleichstellungsbeauftragten, die dahinterstehen, sehen sich einer wachsenden Feindseligkeit seitens organisierter antifeministischer Gruppen ausgesetzt.
Zu den jüngsten Angriffen zählen Vandalismus, Drohungen und Haushaltskürzungen, die die Arbeit für Gleichberechtigung gezielt untergraben sollen. Eine aktuelle Umfrage offenbart das Ausmaß des Problems: Mehr als 60 Prozent der Beauftragten berichten von Vorfällen in den vergangenen zwei Jahren allein.
Die Orange the World-Bänke, leuchtend orange gestrichen, um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen, geraten zunehmend ins Visier. Besonders betroffen sind Städte wie Osnabrück, Wiesbaden und Annweiler, wo die Fälle von Sachbeschädigung stark zugenommen haben. Diese Angriffe fallen zusammen mit einem generellen Anstieg antifeministischer Aktivitäten, wie das Meldezentrum Antifeminismus dokumentiert: 2024 wurden 558 Vorfälle registriert – im Schnitt zehn pro Woche.
Gleichstellungsbeauftragte stehen an vorderster Front. Eine Befragung unter 350 Beauftragten ergab, dass 63 Prozent antifeministische Angriffe auf ihre Arbeit erlebt haben, während 40 Prozent in den letzten zwei Jahren mehrfach betroffen waren. Eine Beauftragte aus Baden-Württemberg berichtete, dass rechtsextreme Aktivist:innen nach einem öffentlichen Statement vor ihrer Haustür aufgetaucht seien. Andere schildern Haushaltskürzungen, offene Feindseligkeit und mangelnde institutionelle Unterstützung.
Beim BAG-Kongress in Lübeck trafen sich 70 Gleichstellungsbeauftragte unter dem Motto „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“. Im Mittelpunkt standen Vernetzung und Strategien gegen den Backlash. Doch die Bedrohung war nah: Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) sagte ihren geplanten Auftritt kurzfristig ab – ohne offizielle Begründung.
Hinter den Angriffen steht eine organisierte politische Bewegung, die Frauen- und queere Rechte ablehnt. Expert:innen warnen, dass Antifeminismus längst kein Randphänomen mehr ist, sondern eine koordinierte Gegenbewegung, die errungene Fortschritte in der Gleichstellung zurückdrehen will.
Die Zunahme der Vorfälle zeigt, wie sehr die Arbeit für Gleichberechtigung unter Beschuss gerät. Gleichstellungsbeauftragte sehen sich nicht nur mit Vandalismus und Drohungen konfrontiert, sondern auch mit strukturellen Herausforderungen wie Kürzungen bei den Mitteln. Angesichts der wachsenden Aktivität antifeministischer Gruppen wird der Kampf um den Schutz dieser Initiativen – und der Menschen, die sie tragen – dringender denn je.






