Pharmazeutischer Dienstleistungsfonds wächst stark – doch seine Auflösung droht
Herbert RennerPharmazeutischer Dienstleistungsfonds wächst stark – doch seine Auflösung droht
Pharmazeutischer Dienstleistungsfonds (pDL) verzeichnet starkes Wachstum – Zukunft jedoch ungewiss
Der Pharmazeutische Dienstleistungsfonds (pDL) hat im dritten Quartal ein kräftiges Wachstum verzeichnet, trotz steigender Servicekosten. Fast 35 Millionen Euro wurden eingenommen, sodass nach Abzug der Ausgaben noch über 548 Millionen Euro verfügbar bleiben. Dennoch ist die Zukunft des Fonds ungewiss, da das Bundesgesundheitsministerium (BMG) plant, ihn im Rahmen der anstehenden Apothekenreform aufzulösen.
Die aktuellen Zahlen zeigen auch einen deutlichen Anstieg bei patientenorientierten Dienstleistungen – von Polypharmazie-Beratungen bis hin zu Blutdruckkontrollen. In einigen Bereichen gab es jedoch leichte Rückgänge im Vergleich zum Anfang des Jahres.
Finanzielle Stärke trotz Reformpläne Im dritten Quartal nahm der pDL fast 35 Millionen Euro ein und übertraf damit seine Ausgaben deutlich. Nach Deckung der Verwaltungskosten verblieb ein Bestand von über 548 Millionen Euro – Gelder, die bald umgeschichtet werden könnten. Die Apothekenreform des BMG sieht vor, den pDL vollständig abzuschaffen. Stattdessen soll die bisherige Finanzierung durch die 20-Cent-Gebühr pro Medikamentenpackung künftig in den Notdienst der Apotheken fließen.
Ausbau der Patientenversorgung – mit Licht und Schatten Unterdessen weiteten Apotheken ihre Patientenbetreuung weiter aus. Insgesamt reichten 8.777 Apotheken Abrechnungen beim pDL ein. Besonders stark stieg die erweiterte Polypharmazie-Beratung: 78.949 Patienten, die fünf oder mehr Medikamente einnehmen, erhielten eine individuelle Beratung – ein Plus von 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und 21 Prozent mehr als im vorherigen Quartal. Auch standardisierte Blutdruck-Risikobewertungen nahmen zu und erreichten 44.527 Fälle, was einem Anstieg von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 13 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal entspricht.
Bei der Inhalator-Schulung zeigte sich hingegen ein gemischtes Bild. Zwar erhielten 91.274 Patienten Hilfe bei der korrekten Anwendung von Inhalatoren – 18 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres –, doch sank diese Zahl im Vergleich zum Vorquartal um 16 Prozent. Separat davon zahlte der Not- und Nachtdienstfonds der Apotheken (NNF) 11,3 Millionen Euro aus, was einem Anstieg von 12 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal und 55 Prozent gegenüber dem dritten Quartal 2022 entspricht.
Unklare Perspektiven für bestehende Programme Trotz des Ausbaus der Dienstleistungen übersteigen die Einnahmen des pDL weiterhin deutlich seine Ausgaben. Eine Auflösung des Fonds würde seine Mittel umwidmen, doch wie sich dies auf bestehende Angebote wie Polypharmazie-Beratungen oder Inhalator-Schulungen auswirken wird, ist noch unklar.
Die Ergebnisse des dritten Quartals unterstreichen die finanzielle Stärke des pDL und die wachsende Nachfrage nach apothekenbasierten Patientendienstleistungen. Mit fast 549 Millionen Euro verbleibendem Kapital würde die geplante Auflösung im Rahmen der BMG-Reform die 20-Cent-Gebühr künftig dem Apotheken-Notdienst zukommen lassen. Die Folgen für aktuelle Services – von Beratungen bis zu Risikobewertungen – bleiben jedoch offen, während die Reform voranschreitet.






