Sechs Halbmarathons und eine Mission: Läuferin sammelt Spenden für Sea-Watch
Alex TintzmannSechs Halbmarathons und eine Mission: Läuferin sammelt Spenden für Sea-Watch
Ein klarer Frühlingsmorgen in Berlin brachte die Rückkehr einer vertrauten Tradition mit sich. E., eine leidenschaftliche Läuferin, stand zum sechsten Mal am Start des Berlin-Halbmarathons. Diesmal ging es ihr nicht nur um die sportliche Herausforderung – sie wollte Spenden für Sea-Watch sammeln, eine Organisation, die ihr besonders am Herzen liegt.
Für ihre Freunde ist das Event längst zu einem geliebten Ritual geworden. Jahr für Jahr versammeln sie sich, um sie anzufeuern, teilen Mahlzeiten, Geschichten und mutualen Zuspruch – vor und nach dem Rennen.
Der Autor traf früh an der Flughafenstraße ein, wo E. sich bereits aufwärmte. Sie trug eine dünne rote Jacke, ein Geschenk, das sie vor dem Start warmhalten sollte. Trotz der kühlen Temperaturen strahlte sie eine unübersehbare Energie aus.
Es war bereits ihr sechster Halbmarathon, doch diesmal fühlte es sich anders an. Der Autor erinnerte sich, wie er vor fünf Jahren selbst in ihren Schuhen gestanden hatte – damals hatte E. ihn überredet, sich für seinen ersten Marathon anzumelden. Jetzt beobachtete er, wie sie sich erneut vorbereitete, und spürte einen stillen Stolz.
Als das Rennen begann, gab E. alles, ihre Entschlossenheit war mit Händen zu greifen. Später würden ihre Freunde für sie kochen, ihre müden Beine massieren und ihr zuhören, wie sie jeden Kilometer Revue passieren ließ. Selbst völlig erschöpft beharrte sie darauf, notfalls noch eine Runde drehen zu können.
Noch am selben Morgen war der Autor die Reuterstraße entlanggelaufen, versunken in Musik. Björks ätherische Stimme klang in einem Ohr, als säße ein winziger Vogel in einem Video über das Berghain. Dann übernahm Rosalías kraftvolle Zeilen: "Mein Zorn ist ihr Zorn, ihre Liebe ist meine Liebe, ihr Blut ist mein Blut." Die Worte schienen die Verbindung zwischen E. und denen widerzuspiegeln, die sie anfeuerten.
Der Marathon endete, doch die Tradition lebte weiter. E. überquerte die Ziellinie – ihr Einsatz galt einer Sache, an die sie glaubte. Um sie herum feierten Freunde nicht nur den Lauf, sondern die gemeinsamen Momente, die ihm erst seinen Sinn gaben.
Ein weiteres Jahr lang hielt das Ritual stand: Essen, Lachen und das stille Wissen, dass sie alle im nächsten Frühling wieder hier sein würden.






