Sechs Jahre nach Hanau: Familie Kurtović kämpft weiter um Gerechtigkeit und Aufklärung
Catrin KabusErinnerung an die Opfer von Hanau - Wulff ruft zur Vielfalt auf - Sechs Jahre nach Hanau: Familie Kurtović kämpft weiter um Gerechtigkeit und Aufklärung
Angehörige und Freunde versammelten sich am Montag, um Hamza Kurtović zu ehren, eines der neun Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau im Jahr 2020. Die Gedenkfeier markierte den sechsten Jahrestag der Schießerei, bei der auch die Mutter des Attentäters ums Leben kam, bevor dieser sich selbst tötete. Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff schloss sich der Familie an, um am Grab Respekt zu erweisen, und forderte entschlossenere Maßnahmen gegen Diskriminierung.
Am 19. Februar 2020 hatte ein 43-jähriger Deutscher zwei Shisha-Bars in Hanau zum Ziel seiner rassistisch motivierten Tat gemacht und neun Menschen ermordet. Nach den Schüssen kehrte er in seine Wohnung zurück, tötete seine Mutter und nahm sich anschließend das Leben. Unter den Opfern war auch der 22-jährige Hamza Kurtović, dessen Familie seither für Gerechtigkeit und Aufklärung kämpft.
Seit dem Anschlag hat in Deutschland die öffentliche Debatte über die Bekämpfung von Rechtsextremismus und rassistischer Gewalt an Fahrt aufgenommen. Initiativen wie 19. Februar und der jährliche Aktionstag Hanau halten das Thema präsent – mit Veranstaltungen wie Schreibwettbewerben an Schulen und Theaterdiskussionen, die bis 2026 geplant sind. Kritiker monieren jedoch, dass strukturelle Versäumnisse fortbestehen, darunter das Fehlen einer umfassenden staatlichen Aufarbeitung.
Bei der Gedenkveranstaltung kritisierte Wulff die deutsche Tendenz, Diskriminierung zu ignorieren, und mahnte eine konsequente Verteidigung von Vielfalt und Toleranz an. An seiner Seite standen Beate Hofmann, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, sowie Oliver Dainow, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Hanau. Die Familie Kurtović hingegen wirft den Ermittlungsbehörden seit Langem Versagen vor – insbesondere wegen einer verschlossenen Notausgangstür am zweiten Tatort.
Im November 2023 reichten Armin Kurtović und seine Frau Dijana Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein, um den Tod ihres Sohnes juristisch aufzuarbeiten. Ihr Rechtsbegehren unterstreicht anhaltende Bedenken hinsichtlich institutionellen Rassismus' und der staatlichen Handhabung des Falls.
Die Zeremonie machte die nachhaltigen Folgen des Hanau-Anschlags für die Angehörigen der Opfer und die gesamte Gesellschaft deutlich. Zwar setzen sich Initiativen weiterhin für Veränderungen ein, doch die Forderungen nach strukturellen Reformen und Aufklärung bleiben bestehen. Der juristische Kampf und die öffentliche Kritik der Familie Kurtović spiegeln die ungeklärten Fragen rund um die Aufarbeitung der Tat wider.






