19 March 2026, 14:46

Staatsoper Stuttgart wagt Holzingers provokantes Operndebüt Sancta – zwischen Ekstase und Empörung

Plakat für das Théâtre de l'Opéra in Paris mit einer Frau in einem weißen Kleid mit einer blauen Schärpe, ihre Haare zu einem Dutt gebunden, vor einem tiefblauen Hintergrund mit Sternen und schwarzer Schrift, die 'Theater der Oper' lautet.

Staatsoper Stuttgart wagt Holzingers provokantes Operndebüt Sancta – zwischen Ekstase und Empörung

Die Staatsoper Stuttgart zeigt Sancta, Florentina Holzingers umstrittenes neues Werk, am 3., 4. und 5. Oktober sowie am 1. und 2. November. Die Produktion hat bereits weltweit Schlagzeilen gemacht – wegen ihres extremen Inhalts, der Liturgie, Nacktheit und provokante Themen verbindet. Für die Oktober-Vorstellungen sind noch Karten erhältlich, doch die November-Termine sind bereits ausverkauft.

Sancta entstand als kühne Antwort auf Paul Hindemiths 1921 verbotenes Werk Sancta Susanna, das wegen angeblicher Gotteslästerung abgelehnt wurde. Holzingers Version neu interpretiert die Rolle der Frau in der christlichen Geschichte – mit drastischen Darstellungen von Christi Wunden und schonungsloser Körperlichkeit. Bei der Premiere kam es trotz Trigger-Warnung zu 18 medizinischen Zwischenfällen, was die konfrontative Wirkung des Stücks unterstreicht.

Dirigentin Marit Strindlund, vom Stuttgarter Opernintendanten Viktor Schoner für das Projekt ausgewählt, nahm die Herausforderung an, Holzingers Operndebüt zu leiten. Bereits zuvor hatte sie die Regisseurin für deren grenzen sprengende Performance-Kunst Ophelia's Got Talent bewundert – besonders wegen der rohen Publikumseinbindung und Unberechenbarkeit. Für Sancta passte sich Strindlund Holzingers unkonventionellen Methoden an, darunter extreme Bildsprache und ein Arbeitsprozess, der mit traditioneller Oper wenig gemein hat.

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Schoner verteidigt die Produktion als essenziell für die Zukunft der Oper und argumentiert, dass sich Häuser aus ihrer "Blase" befreien müssten, um relevant zu bleiben. Werke wie Sancta – die Sexualität, Schmerz und liturgische Elemente verbinden – seien nötig, um neue Zuschauer zu gewinnen, ohne künstlerische Qualität zu opfern. Strindlund pflichtet ihm bei und lobt Holzingers Fähigkeit, gleichzeitig zu informieren, zu kritisieren und zu unterhalten – und damit Debatten über gesellschaftliche Wunden zu erzwingen.

Sancta hat bereits Gewaltandrohungen, Medienhype und hitzige Diskussionen über seinen Platz in der Oper ausgelöst. Die verbleibenden Oktober-Aufführungen bieten eine letzte Gelegenheit, die Produktion vor der ausverkauften November-Serie zu erleben. Mit der Inszenierung setzt die Staatsoper Stuttgart bewusst auf eine Neudefinition der Grenzen der Kunstform.

Quelle